Gebetssprache und was sie verrät oder: „Herr, mach einfach… ein Stück weit…“

 

Prayer

Prayer (Photo credit: mojoey)

„Herr, mach einfach… ein Stück weit… wenn du es möchtest… dass Frau X gesund wird… wenn es dein Wille ist, schenk das einfach…“. Und dann wird noch ein donnerndes „AMEN“ hinterher gesprochen mit der besonders heiligen Betonung auf die letzte Silbe. Wirkt so bestimmt besser als ein ruhiges genuscheltes Amen.

Das klingt jetzt nicht nett – ich weiß. Und es geht nicht darum, Gebetssprache zu analysieren. Geschweige denn zu bewerten. Und ich liebe die authentischen Gebete in unserer Gemeinde („Jesus, du bist so geil und krass…“) – aber immer wieder mal (immer seltener gottseidank!) stolpere ich auch in Gebete hinein – noch schlimmer: bete selbst so! – in denen mich etwas seltsam berührt. Ich habe lange darüber nachgedacht und heraus gefunden woran das liegt. Ich nehme eine Dissonanz zwischen dem WIE einer betet und dem WAS er betet war und WIE er dabei rüberkommt. Schwerste Lebensprobleme werden mit „einfach“ garniert… und die dringend nötige Lösung mit „einem Stück weit„. Tiefste Sorgen werden in seltsam kanaanäischer Sprache formuliert und mit theologischen Grundaussagen garniert – all das strahlt Distanz und Kontrolliertheit aus – wo eigentlich „Herr, aus tiefster Not schreie ich zu dir…“ dran wäre…

Gebete verraten so viel über unsere Sicht von Gott. Und unsere Sicht von Gott bestimmt unsere Gebete. Natürlich sind manche Worte unbedacht oder als Füllworte gebetet… aber was verrät es über unser Gebet, wenn wir inflationär das Wörtchen „einfach“ ins Gebet einflechten? Herr, mach doch einfach… ja so einfach ist es eben nicht! Gott ist nicht einfach und wir sind es nicht und die Probleme, in denen wir unterwegs sind auch nicht! Kann es sein, dass der starke Gebrauch dieses Wörtchens dem Wunsch Ausdruck verleiht, es möge mit Gott ein einfacheres Leben sein? Überschaubarer?

Was machen wir, wenn wir „ein Stück weit“ beten… nehmen wir vorsorglich Gott in Schutz, wenn er eine Bitte nicht ganz erfüllt? Was meinen wir, wenn wir trotz klarer Verheißungen „aber dein Wille geschehe“ beten… beugen wir der Nichterfüllung der Bitte vor? Beten wir dann wirklich mutig oder mit angezogener Handbremse? Was ist dann mit der Ermahnung des Jakobus, dass wir nicht empfangen, weil wir nicht bitten (Jak 4,2). Und mit der Ermutigung Jesu, so mutig zu bitten, als wenn die Bitte schon erfüllt sei (Mk 11,24)?.

Mir geht es nicht um Wortklauberei. Ich mache uns Mut, mutig und verwegen zu beten – im besten Sinne: kindlich. In Alltagssprache. Mehr zu schweigen und Gottes Gegenwart aufzusaugen. Und uns Worte vom Geist schenken zu lassen. Gelassen, entspannt, vertrauend. Und trotzdem ab und an unsere Gebete wahrzunehmen. Nicht im Sinne von „richtig“ und „falsch“ – wir können gar nicht „richtig“ beten und er sieht unser Herz, sondern um zu schauen: was drückt mein Gebet eigentlich aus? Denn Gebet verändert uns – und unser Bild von Gott. Deswegen sind Worte eben doch manchmal wichtig…

 

 

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