Radioandacht für den WDR (1): Begriffe auf dem Prüfstand!

Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

clouds-79376_640„Dies ist keine Pfeife.“, schrieb der Maler René Magritte auf Französisch auf ein Bild. Zu sehen ist darauf eine naturgetreu gemalte Pfeife. Und darunter steht nun: „Dies ist keine Pfeife.“ Eine radikale Anfrage an unsere Begriffe, die ja doch erst einmal nur leere Worthülsen sind, die inhaltlich gefüllt werden müssen. Und so mancher füllt sie anders als sein Nächster und vielleicht sogar falsch!? Was dann Auswirkungen hat…

Liebe Hörerin, lieber Hörer, guten Morgen – und ja, doch: Dieses ist eine Andacht und keine Kunstbetrachtung. Worte zu hinterfragen – das ist allerdings wichtig. Stellen Sie sich vor, zentrale Begriffe des Glaubens würden falsch oder einseitig gefüllt und man baut darauf seinen persönlichen Glauben auf. Für mich gilt: Je länger ich im Glauben alltäglich unterwegs bin, desto mehr misstraue ich Worten. Ich frage immer schneller – auch mich selbst: Wie füllst du diese Worte? Was genau bedeuten sie inhaltlich? Nehmen wir zum Beispiel den Satz: „Ich gehe sonntags in die Kirchengemeinde und feiere Gottesdienst.“ Das ist fein und dagegen ist gar nichts einzuwenden. Nur: Wie genau wird jemand diesen Satz verstehen? Landläufig wohl so: Ich gehe in ein Kirchengebäude und dort erlebe ich einen Gottesdienst mit Pfarrerin oder Pastor, der dann mit dem Segen endet. Wenn jemand den Satz: „Ich gehe sonntags in die Kirchengemeinde und feiere Gottesdienst.“ so für sich übersetzt bzw. versteht, dann klingt das richtig, ist aber haarscharf daneben. Exakter formuliert: Er macht Nebensachen zur Hauptsache.

Kirchengemeinde übersetzt er mit Kirchengebäude. Was ist aber, wenn das Gebäude Kirche zusammenbricht? Ist die Kirchengemeinde dann nicht mehr existent? Antwort: Aber hallo! Natürlich! Denn Kirche, das sind die gesammelten Jesusnachfolger und eben kein Gebäude. Jesus selbst würde sagen: Kirche – das ist ein Leib und ich bin der Kopf. Gebäude ist nett – aber Nebensache. Und dieses Gebäude ist auch kein Haus Gottes – so sehr Gebäude eine heilsame Atmosphäre ausstrahlen können. Gott wohnt in denen, die an ihn glauben. Unser Leib ist sein Tempel, heißt es in der Bibel. Das hat Konsequenzen, wenn man es zu Ende denkt.
Und dann der Pfarrer, Pastor bzw. deren weibliche Pendants. Wie gut, dass wir diese Männer und Frauen haben! Aber: Was ist, wenn der kirchliche „Würdenträger“ fehlt? Wenn er oder sie nicht dabei sein können? Weil zum Beispiel krank? Oder verhindert durch Unfall? Ist das dann kein Gottesdienst? Das wäre schade. Ich denke, ich habe das Neue Testament auf meiner Seite, wenn ich behaupte: Es geht auch ohne Pfarrer oder Pfarrerin. Spricht das Neue Testament doch klar vom allgemeinen Priestertum aller Glaubenden, Männer wie Frauen. Die können auch Bibeltexte verlesen, Beten, Singen, einander lehren und ermutigen, sich untereinander segnen.

Und dann das Wort Gottesdienst. Da haben wir meist sofort die Veranstaltung am Sonntagvormittag vor Augen. Doch da lese ich beim Apostel Paulus: „Gebt euer ganzes Leben als lebendiges Opfer. Das ist ein sinnvoller Gottesdienst.“ (Römer 12,1) Ok?! Gottesdienst ist also nicht nur Sonntag, sondern: alles? Mein ganzes Leben? Jawohl. Und das ist alles andere als langweilig und eintönig – genau das ist die frohe Botschaft. Denn das heißt: Gott interessiert sich für Ihren und meinen alltäglichen Klein- und Großkram. Und will diesen verwandeln. Sie dürfen und können erleben, wie Ihr ganzes Leben ein heiliger Ort wird! Gott ist ein Gott der kleinen Dinge. Genau jetzt. Ob es um die Noten der Kinder, den Streit von gestern Abend mit dem Partner oder meine Traurigkeit heute Morgen geht – Gott interessiert es. Ihm diese vermeintlichen Kleinigkeiten im Gebet zu erzählen – macht aus den kleinen Dingen einen Gottesdienst. Diese Erfahrung wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

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