Radioandacht für WDR (3): Die Goldene Regel! Ganz anders…

shield-97547_640Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

„Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu!“ Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer. Diesen Satz kenne ich seit meiner Kindheit zur Genüge. Er wird von Generation zu Generation als so genannte Goldene Regel weiter gegeben. Und klingt er nicht christlich? Biblisch? Sinnvoll? Die klare und vielleicht erstaunliche Antwort lautet: Eher nein! Denn der Satz „Was du nicht willst was man dir tu, das füge keinem andern zu!“ geht haarscharf aber entscheidend an der jüdisch-christlichen Goldenen Regel, wie sie in der Bibel steht vorbei!

Warum ist das so? „Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu!“ – da beginnt man automatisch erst einmal zu überlegen: Was will ich auf keinen Fall erleben. Davon ausgehend versucht man dann diese Dinge möglichst auch im Umgang mit anderen Menschen zu unterlassen. Ich will nicht belogen werden – also belüge ich andere nicht. Ich will nicht finanziell betrogen werden, also darf ich es auch nicht tun. Theoretisch ein gutes Konzept. Sich ein Verbot auferlegen, um nicht selbst schlecht behandelt zu werden. Aber: Funktioniert das auch? Doch wohl nicht immer. Entweder versage ich selbst oder die anderen werden trotzdem an mir schuldig. Dieses eigene Wollen und doch nicht können beschreibt auch schon der Apostel Paulus, wenn er sagt: Das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht. Das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich.“ Unsere ganz praktische Verhaltensregel dreht sich nur um das Negative, um das, was ich vermeiden soll. Aus Angst, dass ich sonst auch so etwas erleben muss. Das hat auch das christliche Verständnis des sperrigen Begriffs Sünde tief geprägt. Sünde ist das, was man nicht darf und tun sollte. Problem: Dieses Verständnis ist krumm und schief, macht aus Gott einen Spielverderber… Angst, Versagen, Vermeiden, Negativität… Soll das christlich sein? Dass jetzt der eine oder die andere vielleicht ruft: „Ja genau! So kommt Christsein rüber!“ – umso trauriger.

Denn die Goldene Regel der Bibel lautet ganz anders. „Was ihr von anderen wünscht zu erleben – das tut anderen genauso!“(Lukas 6,31). Im Alten wie im Neuen Testament wirbt Gott um den positiven Weg. Er bekämpft nicht das Falsche – er überwindet es durch das Gute und Richtige! Und plötzlich können auch wir im Alltag ganz anders denken und handeln lernen! Was kann ich einer Kollegin, einem Nachbarn, meiner Familie Gutes tun?! Die Frage darf also plötzlich ganz positiv lauten: Hey – wie überrasche ich jetzt meinen Nächsten? Was baut unsere Beziehung auf? Was tut dem anderen so richtig gut? Gott wird dabei zum Förderer des Guten, Richtigen, das Beziehungen aufbaut – horizontal zu Menschen und vertikal zu ihm selbst.

Dass viele so an dem falsch verstandenen Begriff von Sünde hängen und um sie kreisen – das verhindert aber genau dieses positive und aufbauende Denken und Handeln. Sünde ist laut Bibel eigentlich eine Beziehungsstörung und kein moralischer Zeigefinger, kein „Du darfst nicht“, das Angst produzieren soll. Sünde ist: Wenn meine Beziehung zu Gott und zum Nächsten gestört ist. Solche Beziehungsstörungen behindern und belasten unser Leben. Jesus selbst hat vorgelebt, wie anders Leben aussehen kann. Wie heile Beziehungen zu Gott und dann auch zum Nächsten gelingen. Er zeigt uns bis heute mit seinem Leben die Spur, der sich zu folgen lohnt. Kein Drehen ums Negative – sondern versöhnt mit Gott leben, positiv mit den Mitmenschen umgehen, Gutes denken und auch tun. Das gibt Energie und baut auf!

Liebe Hörerin, lieber Hörer: „Was ihr von anderen wünscht zu erleben – das tut anderen genauso!“ Dass Sie den wohltuenden Charakter der Goldenen Regel erleben, das wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

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