Freude, Paulus, Freude – aber wirklich immer?

Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (Philipper 4,4; NGÜ)

Ach, Paulus. Ich lese das und denke mir: Willst du uns zu Dauergrinsern erziehen, die die Realitäten dieser Welt ausblenden und ein fromm angepinseltes positives Denken praktizieren? Das kann es doch wohl nicht sein, oder? Aus meiner Geschichte heraus ist mir ein großes Anliegen im Glauben – und ich bin mir sicher es ist auch ein Anliegen freudeGottes – dass wir echt sind und ehrlich im Glauben. Uns nicht verstellen. Was gibt es Schlimmeres als Christen die „vornerum“ so sind und „hintenrum“ dann anders. Nach außen lustig und fröhlich – in Wirklichkeit traurig und zweifelnd. Tragisch! Und nicht weit entfernt von den „übertünchten Gräbern“ der Pharisäer. Was meinst du also Paulus?

Paulus sitzt im Gefängnis, als er den Brief verfasst. Keine freudige Situation. Übertüncht er Wahrheit? Nein! Und ich begreife heute beim Schreiben dieser Andacht, dass es mehrere Schichten von Echtheit gibt und die kritische Frage an mich und vielleicht auch dich lautet: Ist es denn echt und authentisch, immer nur die eine Echtheit in den Blick zu nehmen und halt schlecht drauf zu sein, wenn man schlecht drauf ist und fröhlich, wenn man fröhlich ist? Ist es nicht genauso echt, den Blick auf die Beziehung zu Gott zu wenden und diese zu meditieren, zu bestaunen und anzubeten, um so der Freude, die von innen kommt, wieder einen Weg zu bahnen? Paulus sagt einige Verse später, dass wir den Mist genauso beim Namen nennen und auf Gott werfen sollen, dass er sich kümmert. Aber in all dem dürfen wir den Blick auf die tiefste Echtheit wenden und der Freude Raum geben. Vielleicht auch der Freude inmitten von Tränen.

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