Einen kindlichen „spirit“ entwickeln und das Leben neu sehen lernen

Jesus spricht: „Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäus 18,3; NGÜ)

Ich gestehe: Dieser Vers hat mich einerseits immer fasziniert und andererseits auch traumatisiert! Traumatisiert hat mich aber nicht Jesus, sondern die schiefe Auslegung dieses Verses. Eine Auslegung, die Kinder schon fast in den Status von unschuldigen Heiligen katapultiert, die uns allen zeigen sollen, wie es richtig geht. Als Mann stößt mich diese Auslegung oft auch deswegen ab, weil damit Eigenschaften verbunden zu sein scheinen wie: weich, sanft, nett, lieb, verspielt, spontan, unüberlegt. Sicher wertvolle Bestandteile eines reifen Lebens – aber doch wohl nicht alles, Jesus? Und: Da ich selbst zwei Kinder habe, weiß ich: So sind die einfach nicht!!

childSollte Jesus, dieser im besten Sinne wilde Mann (und den brauchen auch wilde Frauen als Vorbild!), diesen Vers wirklich (nur) so gemeint haben? Ich denke nein. Es geht ihm eben nicht um ein kindisches Verhalten, das keine Verantwortung übernimmt. Es geht ihm aber sehr wohl um kindliches Vertrauen und – um einen kindlich frischen Blick auf diese Welt. Um einen kindlichen Geist in der Perspektive auf das Leben.

Ich glaube, wir können von Kindern etwas sehr Mutiges lernen, etwas, das sie selbst irgendwann mehr und mehr zu verlieren scheinen: Jeden Tag neu anzugehen. Einen frischen Blick auf die Dinge zu bekommen. Neu einzusteigen. Ein Freund geht auf Distanz? Traurig – aber vielleicht auch sinnvoll und befreiend. Nicht befördert worden? Schade – aber auch eine Chance, einen anderen Weg zu gehen, den ich noch nicht kenne. Treffen mit einem schwierigen Menschen? Gott hilf mir, ihn einmal ganz neu zu sehen. Mit kindlichem „spirit“! Für diese Perspektive: Danke Jesus!

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