Der Götze der Geschäftigkeit – Gelassenheit als revolutionärer Akt

Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. (Prediger 1,14; LUT)

Ich hatte einen burnout. Echt? Erzähl – wie hast du das erlebt, wie bist du rausgekommen? Erschöpfungsdepression. Einfach zu viel gearbeitet. Und du? Oh, Mann, ich bin auch von 7 bis 20 Uhr oft am Projekt. Heute hier, morgen in China, übermorgen USA. Wahnsinn! Wie lange machst du das noch? Solange ich durchhalte…

Szenenwechsel.

Wie geht es dir? Du, echt entspannt. Ich komme gut hin mit der Arbeit, fühl mich gut dabei und arbeite nicht mehr als 40 Stunden. Mal 45 Stunden, aber dann nächste Woche halt weniger. Ich bin gut ausbalanciert. Ist alles nicht so wichtig, was ich mache. Beziehungen sind wichtiger.

treeEhrlich: Welches Gespräch verlockt mehr zum Zuhören, wie es weiter geht? Die meisten Menschen würden nun antworten: Das erste Gespräch. Erschöpfung, Regeneration, etwas leisten, an die limits gehen – Geschäftigkeit ist zu einem Götzen geworden. Die eigene zeitliche Enge, das Vielbeschäftigtsein wird heutzutage wie eine Hostie in der Monstranz durch die Landschaft getragen und angebetet. Ein Fernsehkoch erlebt eine Erschöpfungsdepression? Das ist eine Fernsehsendung und ein Buch wert. Das macht ihn interessant! Geschäftigkeit zeigt Bedeutung und Wichtigkeit und damit auch: Wert. Geschäftigkeit zeigt auch: Das Leben ist endlich – ich will etwas bewirken. Schlafen kann ich im Grab.

Der Prediger sagt dazu lapidar: Haschen nach Wind. Leer. Hohl. Dumm. Vielleicht wären die Christen besonders an-stößig und revolutionär in unserer ersten Welt, die entspannt, ausbalanciert, zufrieden – im besten Sinn selbstvergessen – sind. Da wo Gott regiert, wo die Ewigkeit Perspektive ist, kann das geschehen…

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