Ich dummes Schaf oder: Die verpassten grünen Wiesen

Er bringt mich auf Weideplätze mit saftigem Gras und führt mich zu Wasserstellen, an denen ich ausruhen kann. (Psalm 23,2; NGÜ)

Psalm 23. Ich stolpere heute über genau diesen Vers. Denn erstens will ich oft genug kein Schaf sein und bocke herum. Und zweitens stelle ich fest, dass ich mich an einer bestimmten Stelle gar nicht Psalm23-ig verhalte… was geschieht denn da?

schafEs gibt einen Zusammenhang in Psalm 23, der unauflösbar miteinander verknüpft zu sein scheint. Das dunkle Tal, durch das mich der Hirte führt und die saftige Wiese als Verheißungs-Ort nach dem dunklen Tal. Was mache ich Schaf? Ich habe keinen Nerv auf das dunkle Tal. Nun gut – wer schon? Wer liebt schon Krisen, in denen das Leben an einem reibt und rüttelt. Da mag der Hirte sein, der einem zuflüstert: „Alles wird gut, vertraue mir!“ – das ist ermutigend, aber macht das Tal nicht heller. Der Hirte macht eher den Unterschied zwischen Panik-Zone und Mut-Zone. Ohne Hirte würde ich wohl in Panik versinken – so kann ich meinen Weg aber mutig in seiner Nähe gehen…

Aber dann: Grüne Wiesen! Yeah! Großartig! Yippie! Und plötzlich… ertappe ich mich dabei, dass ich unruhig über die Wiese tigere. Sie kaum wahrnehme. Gras jenseits des Zaunes knabbere. Mich frage, wann es endlich weiter geht. Kann es sein, dass dadurch das nächste dunkle Tal schneller und schwerer kommt, als nötig? Gott schenkt mir Wasserstelle, Gras und Ausruhen. Ich will weiter, ruhe mich nicht aus und nehme das kaum wahr. Wie dumm. Schaf halt. Also ich jetzt. Nicht Sie.

Es verlangt in unserer Kultur Mut, die Gegenwart wahrzunehmen, wertzuschätzen und wirklich(!) bei Gott zu ruhen. Sich dem schneller, höher, weiter zu verweigern. Innehalten. Wertschätzen. Ausruhen. Das ist dran. Damit das nächste dunkle Tal leichter wird.

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