Gott – der Müllmann deiner Seele

Hören Sie das? Dieses Klappern, Anfahren eines Lastwagen, das Krachen von Gegenständen auf dem Asphalt, das sich Dinge zurufen? Während Sie vermutlich gerade unter der Dusche stehen, im Auto zur Arbeit sitzen, frühstücken oder längst auf der Arbeit sind, fahren sie eifrig durch unsere Straßen und fallen einem kaum noch auf. Es sei denn man muss hinter ihnen warten: Die Entsorgungsunternehmen oder landläufig: Müllmänner und manchmal – frauen. Mich haben sie immer fasziniert als Kind: Ich saß früh morgens, weil ich nicht schlafen konnte, auf der Lehne des Sessels meines Opas in Hildesheim und schaute herunter auf den Marktplatz, auf dem plötzlich das berühmte orange Auto auftauchte. Ich habe mich damals gefragt und frage bis heute: Warum sind die orange? Aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall habe ich dann mit wachen Sinnen beobachtet, wie die Männer (damals nur Männer) die Tonnen aus den Einfahrten und von den Straßenrändern herbei rollten und zogen und sie in die Klammergriffe am Lastwagen einhakten. Dann wurde mit zischender Hydraulik ein Hebel gezogen und die Tonne angehoben und entleert in den riesigen Bauch des orangenen Ungeheuers. Großartig! Und damals gab es nur eine Sorte Tonnen! Heute ist alles noch viel bunter!

Und dann die Erinnerung an andere Bilder im Fernsehen – Müllberge. In Neapel, wo öfter mal gestreikt wurde oder auch in den USA. Säckeweise Unrat – Ratten – Gestank. Oder in anderen Ländern: Müllberge auf denen Menschen wohnen müssen. Gruselig! Kaum etwas würde das makellose Lebensgefühl unserer westlichen Welt so sehr beeinträchtigen wie ein langer Streik imageder Entsorgungsunternehmen… Das zeigt unsere Abhängigkeit davon! Wir produzieren permanent (GottseiDank seit einiger Zeit maßvoller) Müll. So ist das Leben in unserem Teil der Welt. Wir sortieren diesen Müll sorgfältig und das ist gut! Aber es ändert nichts daran: Irgendwann muss er weg. Auch sortierte Haufen in der Wohnung oder am Straßenrand stinken irgendwann und müllen einen zu. Die Entsorgungsunternehmen sorgen dafür, dass dieser Müll beseitigt wird. Verbrannt. Verbuddelt. Aus den Augen. Einfach mal: Danke für und an unsere Entsorger!

Mich fasziniert darüber hinaus ein ganz anderes Entsorgungsunternehmen: Gott. Was? Wie respektlos ich hier von Gott rede? Ganz und gar nicht – ich nehme den Begriff wörtlich: Ent-sorgen. Sorgen loswerden. Sorgen und Grübelei sind Friedensräuber. Sie verhindern zuverlässig, dass wir in den Frieden und die Ruhe hinein kommen, die Gott für uns gedacht hat. Wir produzieren Sorgen und Grübelei ohne Unterlass – das ist nicht zu vermeiden. Wir leben nicht im Paradies, wo Sorgen überflüssig wäre. Doch wohin damit? Nun gibt es auch da Strategien, das alles schön zu sortieren. Sorgentrennung. Man kann sie aufschreiben und in irgendwelche Sorgenpuppen stecken, man kann sie vom Kopf her versuchen klar zu kriegen, man kann sie verdrängen und so in eine entfernte Schublade stecken. Man kann sich auch um sie drehen in der Hoffnung, dass sie dadurch klarer und kleiner werden – meist wird nur uns schwindelig und speiübel dabei. Letztlich liegen die Sorgen wie Müllsäcke in der Gegend herum. Ballast, der Klarheit und Frieden in unseren Herzen zumüllt.

Gott ist hier ganz wörtlich der Ent-Sorger. Jesus fordert uns auf, uns nicht zu sorgen. Nicht so einfach, mein Jesus. Aber er gibt auch Tipps wie das geht und die haben es in sich: Lebe am heutigen Tag, sei gegenwärtig, ein Tag nach dem anderen. Schau auf mich, deinen Herrn, der dich hält und versorgt. Und: Ich sorge nicht nur für dich, sondern auch an deiner Stelle. Ich spüre deine Sorgen und nehme sie an mein Herz. Schmeiß sie auf mich (1.Petrus 5,7). Ich bin dein Entsorger.

(Entwurf Radioandacht Kirche im WDR)

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