Ich darf so kommen, so bleiben, wie ich bin – muss es aber nicht.

…und habt das neue Gewand angezogen – den neuen, von Gott erschaffenen Menschen, der fortwährend erneuert wird, damit ihr Gott immer besser kennenlernt und seinem Bild ähnlich werdet. (Kolosser 3,10; NGÜ)

In einem bekannten Lied heißt es „Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin“. Eine tröstende Zusage. Egal wie verletzt, gebeugt, verkrümmt du bist – komm! Es ist ok. ER nimmt dich an wie du bist. Dieses bedingungslose Krabbeln auf den Vaterschoss rührt mich immer wieder neu zu Tränen – weil ich es so nötig habe. Ich falle, stehe auf, kapituliere – und renne zum Vater, weil nur er diesen Schutzraum bietet.

rohrManche Christen singen dieses Lied aber mit einem seltsamen Zungenschlag. Da kommt als letzte Strophe dann: „Jesus, bei dir darf ich nicht so bleiben wie ich bin!“ Sprich: Wir fangen mit der Gnade an, machen aber dann mit dem Gesetz weiter. Du bist herzlich angenommen, aber wehe, wenn du so bleibst, dann wird’s ernst! Um es deutlich zu sagen: Dieser Weg zur Veränderung wird zur Sackgasse, in der man sich die Nase blutig schlägt. Aber es gibt auch die andere Seite…

Da sind Christen, die ihre Biographie, ihre Prägungen und Verletzungen nicht reflektieren, sondern aus ihnen heraus leben und deuten, was sie erleben. Ich erlebe mich immer wieder so. Da reagiere ich instinktiv – und falsch. Ich bin nicht im Geist verwurzelt, sondern reagiere wie ein in die Enge getriebenes Tier. Gefährlich wird es, wenn aus dieser Art des Lebens ein Anspruch wird, eine Deutungsbrille, durch die ich mein Leben und andere lese. Hier dürfen wir die letzte Strophe des Liedes nachlesen: Ich soll, darf, will verändert werden, meine Geschichte haben, aber nicht von ihr dominiert werden – sondern von Christus allein.

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