Gedanken aus der Stille: Vom Umgang mit (inneren) Kritikern…

Als aber die Pharisäer das sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist! Er aber sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und seine Gefährten hungrig waren? (Matthäus 12,2.3; S2000)

kindMeine Oma hat gerne gesagt: Auf einen Finger, mit dem man auf andere zeigt, kommen gleich mehrere, die gleichzeitig auf einen zurück weisen. Das ist dann wohl – ganz volksnah ausgedrückt – die Lehre von der Projektion. Sie gehört zu den wichtigsten Aha-Effekten auf dem geistlichen Weg. Dass wir so „funktionieren“, dass wir gerne andere in dem verurteilen, was uns eigentlich selbst zu eigen ist, dass ist äußerst praktisch eingerichtet! Denn so haben wir jedes Mal, wenn wir uns über jemanden ärgern gleichzeitig einen Hinweis: Schau doch mal bei dir nach! Prüf mal bitte, ob das WIRKLICH nur der Andere ist?! Und bingo – meistens ist es auch ein verwundeter, schmerzender oder auch schlicht schiefer Anteil in mir.

Aber wie gehe ich mit diesem Anteil um? Wenn ich entdecke, dass da draußen ja nicht nur Pharisäer herum laufen – sondern ich diesen auch in mir trage? Jesus macht es uns auf typisch pharisäische Weise vor, denn er ist zwar „offiziell“ kein Schriftgelehrter – aber er beherrscht den Dialog mit ihnen perfekt! Und gibt uns damit eine Blaupause für unseren Dialog mit realen aber eben auch innen Pharisäern. Auf die kritische Anfrage hin antwortet er nicht mit Verteidigung – er läuft auch nicht weg – er versinkt nicht in Ängsten – er stellt: eine Gegenfrage! Wenn Stimmen in dir dich anklagen, schaue ihnen ins Auge und stelle die richtigen Fragen. Mach mit ihnen von Gott her den Realitätscheck. Und sie werden ihre Macht verlieren.

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