Stille-Gedanken für heute: Beten in Angst…

Mein Herz ist jetzt voll Angst und Unruhe. (…)“ (Johannes 12,27a; NGÜ)

Wie beten wir, wenn wir am Boden liegen und nicht mehr können? Ich beobachte dabei bei mir diverse Tendenzen. Einmal kann es sein, dass ich Gebet im Klagen versinke. Und nicht mehr heraus finde. Dann ändert sich nichts – aber zumindest haben meine Sorgen, Klagen und Tränen einen Ansprechpartner gehabt, wenn auch einen im Normalfall keinen direkten, sondern einen unsichtbaren. Dann kann es sein, dass ich erst gar nicht ins Gebet hinein komme, weil ich glaube, ich dürfte zu Gott nicht schon wieder so kommen. Manchmal beschleicht mich auch das Gefühl, ich sei nun nicht gerade ein „erfolgreicher“ Christ, wenn ich so drauf bin. Die daraus folgende Scham ist der effektivste Gebetsverhinderer.

frauangstJesus fasziniert mich an dieser Stelle. Er hat definitiv einen Grund zu weinen, zu klagen und Angst zu haben. Er steht vor Folter und Tod für diese Welt. Er betet, er spricht mit seinem Vater – aber gleichzeitig nimmt er uns mit hinein in sein Nachdenken über sein Gebet. Sein Gebet hat zwei Ebenen: das direkte Gebet und das Beten über das Gebet. Er beginnt mit einer Wahrnehmung seines Herzens. Angst und Unruhe füllen ihn. Jesus praktiziert keine fromme Variante des positiven Denkens und sagt sich und seinem Vater: Alles ist gut, ich bin stark im Herrn, alles wird gesegnet sein. Letztlich kommt er genau da hin – aber er beginnt bei einem sehr ehrlichen Blick aufs Herz. Mir gehts schlimm. Ich habe Angst! Gebet fängt immer bei uns an. Bei der Realität. Beim echten, realen, schonungslosen, barmherzigen Blick auf den eigenen Zustand. Den soll und darf Gott hören. Werde real. Schau hin, was läuft. Nenn die Dinge beim Namen, die schief gehen. Dort beginnt die Reise. Alles andere wäre eine geistliche Abkürzung. (to be continued)

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