Stille Gedanken: Ein Aha-Effekt und die „Fremdlinge“ in unserem Land

Beutet die Fremden nicht aus, die bei euch leben. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist, weil ihr selbst in Ägypten als Fremde gelebt habt. (2. Mose 23,9; HfA)

migrantsEin lieber Bekannter von mir ist in der DDR aufgewachsen. Wir sitzen in einem Café und fachsimpeln über Pegida und die deutschen Probleme mit den Migranten. Er erzählt mir von einer Erfahrung, die für ihn (und mich!) ein Augenöffner war. Noch zu DDR-Zeiten musste er beruflich in die BRD reisen. Zum ersten Mal die fremde Republik. Er stieg also am Frankfurter Hauptbahnhof aus und verließ den Bahnhof auf einen Spaziergang Richtung Hotel. Stieg hinab in eine Straßen-Unterführung, in der es wegen der späten Uhrzeit recht leer geworden war. Ein türkischer oder griechischer Gemüsehändler rief laut etwas in seiner Muttersprache. Eine andere Frau fegte die Unterführung und rief zurück. Ansonsten niemand. Diese Szenerie mit den lauten fremden Lauten und Leuten war für ihn aus seinem DDR-Kontext so ungewohnt und unheimlich, dass er die Unterführung direkt wieder verließ und sich einen anderen Weg suchte. Was man nicht kennt, das wirkt bedrohlich. Setze einen Menschen aus dem brasilianischen Urwald (falls es solche noch gibt) zum ersten Mal in ein Auto und fahre Tempo 100 – er wird schockiert sein und dieses „Objekt“ sehr misstrauisch (im besten Fall) beäugen.

Die Bibel geht ganz selbstverständlich davon aus, dass wir Fremdlinge im Land haben. Von Obergrenzen ist da keine Rede. Im Gegenteil: Die Israeliten wurden ihrerseits aufgefordert, sich als Fremdlinge im Exil zu vermehren und dem Land zu dienen. Andersherum sollen die Israeliten die Fremdlinge auf Augenhöhe behandeln. Was man nicht kennt, macht Angst. Lernen wir die Fremdlinge kennen. Behandeln wir sie, wie Jesus sie behandeln würde. Sie dürfen hier leben und sich entfalten. Das wäre das beste Zeugnis des Glaubens.

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