Stille Gedanken: Vertreibung aus dem Paradies reloaded

Dann sagte er: „Nun ist der Mensch geworden wie wir, weil er Gut und Böse erkennen kann. Auf keinen Fall darf er jetzt von dem Baum essen, dessen Frucht Leben schenkt – sonst lebt er für immer!“ Darum schickte er die beiden aus dem Garten Eden fort (…) (1. Mose 3,22.23; HfA)

„Geh auf dein Zimmer! Ich will dich hier nicht mehr sehen! Ich habe die tausendmal gesagt, dass du das nicht machen sollst, aber wer macht es? Na klar: DU! Nichts Besseres im Kopf als Unsinn! Wenn du bei den Hausaufgaben genau so eifrig dabei wärst wie beim Unsinn machen, na dann könnte aus dir etwas werden. So aber – ich weiß echt nicht, was so aus dir werden soll. Glaubst du, die Welt wartet auf dich?“

angry-man-274175_640Durchatmen. Es mag ja die ganz lieben Kinder geben, die solche Szenen nie erlebt haben, die glatt durchs Leben geflutscht sind, Bestnoten eingeheimst haben und Muttis Liebling mit Ehrennadel in Gold waren. Ich war es nicht. Du wahrscheinlich auch nicht. So sind wir geprägt. So sind Eltern und ja – so bin ich auch manchmal als Vater. Wütend. Verzweifelt. Überfordert. Aus den Augen. Strafe muss sein. Es steckt in unseren Genen. Diese Vorstellung von Gerechtigkeit und Lohn bzw. Strafe für „Unrecht“ und „gute Taten“.

Dann lese ich: Gott vertreibt die Menschen aus dem Paradies. Der alte Geruch von Zuhause kommt hoch. Raus mit dir! Die Worte hallen in mir und Gott spricht hier die seinen in diesen Hall hinein. Doch weit gefehlt. Der Mensch hat sich gerade von Gott getrennt. Die Trennung ist vollzogen. Was geschieht, wenn der Mensch nun noch vom zweiten Baum isst? Er lebt ewig. Die Trennung ist unaufhebbar. Es ist vorbei. Weil Gott liebt, will er das verhindern. Er hat Hoffnung für den Menschen. Deswegen: Raus mit ihnen. Aus Liebe. Mit Tränen in den Augen. Nur so kann er uns retten.

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