Stille Gedanken: Die erste Gnade der Bibel: Noah und der Fährtenleger Gott

Noah aber fand Gnade in den Augen des Herrn. (Genesis 6,8; S2000)

Gnade. Zum ersten Mal in der Bibel an dieser Stelle. Das fasziniert mich. Wenn Dinge zum ersten Mal auftauchen, sind sie besonders wichtig. Da werden erste Pflöcke eingeschlagen zum Verständnis eines Wortes. Nun ist das hier auch so – aber mit Einschränkungen. Denn inhaltlich unterscheidet sich diese Gnade natürlich von der viel weiter entwickelten Gnade des Neuen Bundes. Das ist auch kein Wunder. Der Wahrheitsbegriff entwickelt sich im jüdischen Denken, er ist nicht statisch, immer gleich bleibend wie im westlichem Denken. Deswegen noahentfaltet sich auch unser Gottesbild im Laufe der Jahrtausende, die von der Bibel abgedeckt werden, immer weiter und mündet als Höhepunkt in Jesus Christus und wird dort vollendet. Gnade ist bei Noah zuerst ein moralischer Begriff. Die Welt war verderbt – er war rechtschaffen. Aber schon hier deutet sich die Gnade Jesu Christi an: Noah wandelte mit Gott. Er vertraute Gott und fragte nach ihm! Großartig, dieser frühe, zarte Klang der Gnade – endlose Zeiten vor der Geburt des Messias.

Ich entdecke in diesem kurzen Vers den Fährtenleger Gott. Er deutet Dinge an und entfaltet sie. So wie eine Raupe den Schmetterling andeutet, eine Knospe die Blüte, so entfaltet Gott das Wissen über ihn. Und auch heute entfaltet sich dieses Wissen und unser Verständnis weiter. Nicht im Widerspruch zur Bibel, sondern geleitet vom Heiligen Geist als Auslegung und Aktualisierung. Gott ist immer der Gleiche. Aber er liebt es, unser Bild von ihm weiter zu entwickeln und zu weiten. Damit wir immer neu in der jeweilig aktuellen Gesellschaft leben und Salz und Licht sein können. Ich staune über diese Weitsicht Gottes. Ich möchte ihn heute neu und weiter entdecken.

Advertisements