Wenn deutsche Bibelübersetzungen ver-kopfen, was sinn-lich ist…

girlImmer wieder stoße ich auf Beispiele, in denen deutsche Übersetzungen durch ihre kulturelle Brille meines Erachtens falsch übersetzen. Und damit aber tiefe Einsichten aus jüdischer Spiritualität verfälschen, die uns helfen würden, echte Gottesbegegnung und Verwandlung zu erleben. Gerade entdeckt: Psalm 1. Kennen viele – hier einmal die ersten beiden Verse nach der Elberfelder – also vermeintlich sehr wörtlich:

Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!

Schöne Verse. Ein Mensch wird glücklich sein, wenn er über das Gesetz nachsinnt. Nun gut, vom Neuen Testament können wir nun ergänzen: Weniger über das Gesetz, mehr über die Gnade und Gerechtigkeit. Da hat sich was verändert. Aber was läuft hier mächtig schief? Nachsinnen. Was verbinden wir damit? Denken. Grübeln. Meditieren. Im Kopf herum wälzen. Was steht aber da für ein hebräisches Wort? הָגָה. hagah. Das heißt aber als Wortfeld nicht nachsinnen, sondern stöhnen, murmeln, sprechen und dann erst auch nachsinnen, aber mehr im Sinne von sinnierend sprechen.

Es geht also nicht um einen Kopfvorgang – sondern um einen sinnlichen Vorgang des Sprechens, Empfindens, Verbindens mit den eigenen Herzensregungen. Wahrheiten aus Gottes Wort werden ausgesprochen, geseufzt, manchmal gestöhnt oder gejubelt. Wir spüren sie, sprechen sie, hören sie. Und ich glaube: Das kann einen Menschen tief berühren und mehr und mehr heilsam verwandeln.

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