Wie sie in Riesa die Rechten ärgerten und sich Jesus freute.

protest-156031_640Riesa – eine Kleinstadt mit circa 35.000 Einwohnern. In Sachsen im Landkreis Meißen. Irgendwo zwischen Leipzig und Dresden. Riesa hat ein Problem – und das heißt NPD. Denn die ist dort im Stadtrat, aber noch schlimmer: Sie hat in der Mannheimer Straße ihre Zentrale. Dazu den Verlag mit dem schönen Titel „Deutsche Stimme Verlag“ und dazu das Nationale Warenhaus. Das war vor einigen Jahren. Dem Stadtrat war nun diese Ballung rechten Gedankenguts und dazu gehöriger Immobilien ein Dorn im Auge, aber was will man machen? Die Partei ist demokratisch gewählt worden und hat die Immobilien ordnungsgemäß erworben bzw. angemietet. Rauswerfen aus der Stadt kann man sie schließlich nicht – mit welchem Recht? Doch der Stadtrat in Riesa wurde kreativ und machte das, was ein Stadtrat immer machen kann: Straßen und Plätze benennen. Und so wurde die Mannheimer Straße kurzerhand umbenannt. In Geschwister-Scholl-Straße. Dass diese neue Bezeichnung der NPD im Briefkopf nicht gut steht und in rechten Kreisen für große Wut gesorgt hat – das versteht sich von selbst.

Als ich diese Geschichte gehört habe, musste ich laut lachen! Was für ein geschickter Schachzug. Provokation und Protest auf amüsante und gleichzeitig gewaltfreie Art und Weise. Jesus hätte und hat auch vermutlich seine helle Freude daran! Denn das ist genau die Vorgehensweise, die er als Widerstand empfiehlt. Geschickt, kreativ, effektiv und den Gegner herausfordernd. Fast jeder, der sich in der Bibel ein wenig auskennt oder auch nur davon gehört hat, kennt die Jesusworte (Mt 5,39-41; NGÜ):

Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halt ihm auch die linke hin. Wenn einer mit dir vor Gericht gehen will, um zu erreichen, dass er dein Hemd bekommt, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

Nun sind diese Worte oft missverstanden worden als Passivität und Harmlosigkeit – in Wirklichkeit bedeuten sie kreativen Widerstand. Stell dir einmal vor, dass dir jemand eine watscht und du schlägst nicht zurück, sondern hältst demonstrativ die andere Wange hin und sagst: „Bitte! Gerne noch einmal!“ – Ich vermute, die meisten Schläger würden erschrocken zurück weichen und ins Grübeln kommen. Oder nehmen wir die zweite Meile: Es gab ein römisches Gesetz, nach dem ein Römer von einem Juden verlangen konnte, sein Gepäck für eine Meile zu tragen. Nach einer Meile sagte der Römer dann: Gut, gib wieder her, die Meile ist vorbei. Und dieser Jude geht einfach weiter! Trägt weiter und weiter! Damit wurde der Römer schuldig! Brach das Gesetz!

Jesus lehrt hier alles andere als Passivität und Harmlosigkeit – seine Methode ist nur feiner, kreativer und durchaus humorvoll. Gewaltlos übt der Unterlegene in ihr eine positive und verändernde Macht aus. Ich wünsche uns, dass wir in unseren alltäglichen Kämpfen und Konflikten mehr von dieser ganz anderen Art des Widerstands lernen. Er fängt damit an, dass wir Gott im Gebet fragen, wie wir denn anders reagieren könnten. Er antwortet gerne auf solche Fragen.

(Entwurf Radioandacht WDR – Quelle Riesa: Riesa in der Süddeutschen)

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