Wie kommt der Glaube ins Herz, wenn dieses löchrig ist… (seelsorgerische Antworten aus alter Zeit)

Ich entdecke gerade einen Adventsklassiker von Paul Gerhardt als wunderbar seelsorgerisches Lied! „Wie soll ich dich empfangen“ – in schwersten Zeiten von Gerhardt geschrieben in eigener tiefster Not und einem verzagten Herz voller Fragen… wir würden heute fragen: Wie kann der Glaube ins Herz rutschen? Paul Gerhardt findet darauf eine Menge großartiger, theologischer und seelsorgerischer Antworten. Das ganze Lied bietet sie Strophe für Strophe und ich werde es durchpredigen am nächsten Sonntag (27.11.2016, Adventsfeier um 14 Uhr statt Godi um 10 Uhr!). Beispiel gefällig?

Ihr dürft euch nicht bemühen / noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen / mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, / ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, / die ihm an euch bewußt.

gerhardMühe und Anstrengung, Disziplin und geistliches Leben, dazu eine Prise deftiger Sorgen und Grübeleien – all diese Dinge wirken teilweise sogar fromm, aber sie lassen uns diesen gnädigen Gott nicht empfangen, im Gegenteil: sie perforieren unseren „Empfangsraum“. Etwas anderes hilft weiter: Das absolute und unumstößliche Wissen, dass Gott Liebe und Lust daran hat, unser verzagtes Herz heilsam zu berühren! Hier ist ein gesundes Gottesbild und eine Einübung in das Bewusstsein der Gegenwart dieses Gottes gefragt. ER ist gut, voller Liebe und Lust, mir zu begegnen. Deswegen kann ich alles Bemühen und Sorgen loslassen und ihm meine Not hinhalten. ER ist der Aktive und ich werde durch mein Bemühen sein Aktivsein nicht verstärken (das wäre ein magisches und/oder gesetzliches Mißverständnis). Was für eine Gnadenbotschaft!

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