Ebenen des Vergebens oder: was steckt hinter unserer Vergebung?

Anderen Menschen zu vergeben, heilt zuerst uns selbst. Doch was treibt uns an, zu vergeben? Ich habe in einem nichtchristlichen letters-229726_640.jpgBuch (To forgive is human, S.44-47) eine interessante Differenzierung gefunden, aus welchen Motiven Vergebung erfolgen kann – und längst nicht alle sind Christus-gemäß, auch wenn sie nach außen so aussehen können.

Was kann man daraus schließen? Wir vergeben zu wenig – das ist sicher so, gerade paradoxerweise auch in christlichen Kreisen, in denen Verfehlung manchmal rigider beurteilt wird als in der „Welt“. Wir vergeben manchmal vielleicht auch aus den falschen Motiven – wobei ich glaube, dass die oberste Ebene, die Vergebung aus Liebe, eigentlich nur erfolgen kann, wenn ich solche Liebe vorher empfangen habe – von Gott. Dennoch kann uns die folgende Liste einen heilsamen Spiegel vorhalten – bei mir hat sie jedenfalls ein „Autsch“ ausgelöst:

  • Vergeltendes Vergeben – nur wenn die Person, die einen beleidigt hat, bestraft wird und selbst Schmerz verspürt
  • Wiedergutmachendes Vergeben – nur wenn die Schuld zugegeben wird und eine Entschuldigung erfolgt ist
  • Erwartetes Vergeben – Vergeben als Reaktion auf sozialen Druck
  • Gesetzgebundenes Vergeben – Vergeben aufgrund von moralischem oder religiösem Druck
  • Soziales Vergeben – Vergeben, um soziale Harmonie zu gewinnen und Beziehungen wiederherzustellen
  • Vergebung aus Liebe – bedingungsloses Vergeben, weder an Vorbedingungen noch an Erwartungen geknüpft

 

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