Die Wunderleiter im Coaching und unser Gott oder: Halten wir Gott für dumm?

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Beim Gottesbild bin ich – auch bei mir selbst – immer wieder erstaunt, dass wir niemals bestimmte Dinge tun würden – diese aber von Gott erwarten. Seltsame Sache. Ich würde einen Freund nicht alleine lassen, wenn dieser kämpft und in eine Krise rutscht. Ich denke, für die meisten meiner Leser ist dies ein guter Wert: Treue in einer Freundschaft auch in schlechten Zeiten. Aber von Gott? Denken wir das. Wir versagen – er entfernt sich von uns. Wir klopfen an, er sagt: Stör mich nicht! Ähem – nein?

Natürlich projizieren wir damit ein Stück negativer Erfahrungen – denn nicht alle Freunde ticken so. Aber fangen wir doch an, unsere Bilder von Gott mal so zu hinterfragen. Jesus tut das in Lukas 11 jedenfalls. Noch ein faszinierendes Beispiel? Ok.

Ich habe gerade in der Coaching-Ausbildung ein wunderbares Tool kennen gelernt – die Wunderleiter. Sie zeigt die verschiedenen Stufen, wie man zu einer Vision kommt (von unten nach oben) und wie man dann eine Vision durchbuchstabiert (von oben nach unten). Die Stufen sind vereinfacht gesagt folgende:

  1. Sinn, Vision
  2. Identität
  3. Werte
  4. Einstellungen, innere Glaubenssätze
  5. Strategie, Herangehensweise
  6. Potentiale (innere)
  7. Fähigkeiten (äußere)
  8. Verhalten
  9. Umwelt

Wie komme ich zu einer Vision? Ich analysiere in einer Gruppe oder bei mir selbst Fähigkeiten, Gaben, Potentiale, schaue mir die Werte an, das Selbstverständnis. Daraus forme ich eine Vision, die natürlich nicht dem 1:1 entsprechen wird (sondern darüber hinaus gehen kann), die aber das Vorhandene als Ressource nutzt. Und aus der neuen Vision folgt dann eine Korrektur und Verwandlung der Identität, Werte, Glaubenssätze… bis hin zum Handeln in meiner Umwelt. Logisch? Logisch.

ABER! Wir glauben immer noch zu oft, dass es Gott zuerst um unser (ethisches) Handeln geht. Das aber ist Religion! Halten wir doch Gott nicht für dummer als uns! Er bedient im Evangelium genau die Wunderleiter. Er fängt bei uns an, wie wir sind – beschenkt uns dann aber mit neuem Sinn, göttlicher Identität! Daraus heraus dürfen sich unsere Werte und unsere Glaubenssätze verwandeln (genau das ist großer Teil der Seelsorge). Neue Potentiale und Fähigkeiten werden entdeckt (Gnadengaben, Charismata) und ganz am Schluß passen wir unser Verhalten an und transformieren unsere Umwelt.

Aber alles geschieht aus Gnade, als Geschenk! Schön, dass wir solche klasse Coaching-Tools haben. Halten wir doch Gott nicht für dummer und glauben weiter, es ginge ihm primär um ein lupenreines Verhalten. Das Evangelium fängt oben an!

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