Ein klitzekleiner Wutanfall über versklavende Glückskeks-Sprüche und positiv-denken-Müll.

Immer wieder klasse, diese Glücks-Keks-Sprüche der Sorte (meist garniert mit Buddha-Statuen und lachenden Menschen):

„In Zukunft werde ich mehr lachen und küssen und glücklich sein. Ich werde mich nur noch mit positiven Menschen umgeben“ etcetc…

Das Problem ist: Wir leben in einer wunderschönen, aber eben auch „seufzenden“ Welt. So sagt es die Bibel. Und was ist also, wenn wir traurig sind, vielleicht melancholisch, gar depressiv? Wenn das Leben an uns rüttelt?

milada-vigerova-7276-unsplash.jpgHm – streng genommen müssten wir dann alleine sein. Ups. Wenn die Menschen um uns herum nämlich den gleichen Spruch wie wir so supertoll finden, dann dulden sie ja auch keine „negativen“ Menschen mehr um sich. Also uns selbst. Dumm gelaufen. Alleine. Und wenn wir den Spruch wirklich ernst nähmen, müssten wir uns selbst an diesem Punkt auch loswerden und genau dazu führen solche Lebensmottos – Ablehnung des Schattens, des Schweren in uns. Spätestens an dem Punkt müsste jeder begreifen, dass solche Sprüche unglaublich ego-zentrisch sind.

Und das immer glücklich sein und küssen und lachen – tja. Das wird manchmal sehr mühsam. Spätestens also, wenn wir in einer Krise sind, depressiv, krank, traurig – weil das Leben manchmal halt so ist, zerschellen wir an einem solchen Glückskeks-Spruch und werden daran bitter. Bitter an uns, weil wir es wieder nicht „geschafft“ haben immer glücklich zu sein. Und bitter am Leben, weil es so nicht ist…

Aus christlicher Perspektive wäre es besser, Verantwortung zu übernehmen. Für alle Gefühle und Momente. Auch für die schweren. Sie ernst zu nehmen, anzunehmen, wert zu schätzen und ggf. auch zu relativieren. Denn Gefühle sind nicht alles. Überzeugungen sind wichtiger (um es auf die Spitze zu treiben: Jesus wird sich am Kreuz nicht gedacht haben: Ich umgebe mich nie mehr mit negativen Menschen und werde mehr lachen und glücklich sein…). Denn so ist das Leben. Und vielleicht wäre es auch hilfreich, nicht nur um den eigenen Bauchnabel zu kreisen. Neben einer gesunden Selbstwahrnehmung tut es auch einfach gut, zu dienen. Sich selbst ab und an zu vergessen. Zu schweigen. Anderen zuzuhören. Zu beten. Zu weinen. Zu lachen. Gemeinschaft mit anderen zu haben. Weil so das Leben ist.

(Photo by Milada Vigerova on Unsplash)

Advertisements