Gedanken zur Schwermut und Melancholie

Wenn du Melancholie und Schwermut nicht kennst – dann lies diese Zeilen nicht. Wenn sie deine manchmal ungeliebten Schatten sind, die immer wieder überraschend aus einem Winkel deiner Seele auftauchen und sich wie Tau auf Tag und Nacht legen – dann willkommen… Schwermut trägt den Mut in sich, den Mut zur Schwere. Sie fühlt sich nicht wie Mut an – ist aber genau das. Betäube sie nicht, tauche in sie ein und durch sie hindurch.

Du kannst ihn atmen, den Mut zur Schwere. Eine Schwere, die dir zuflüstert: Das Leben bleibt neben all dem Schönen weit unter seinen ursprünglich gedachten Möglichkeiten. Schwermut ist der Mut auszusprechen, dass es da eine Kluft gibt. Zwischen dem, was gedacht war und dem, was gelebt wird. Und das wird so bleiben. Diese existentielle Schwermut NICHT zu empfinden, das ist eine Krankheit – so beschreibt es Kierkegaard. Die Schwermut anerkennt bei aller Schönheit der Welt den Graben zwischen Ursprung und Istzustand, zwischen Einssein mit Gott und dem Ringen um seine Nähe hier und jetzt. Gehst du der Schwermut aus dem Weg, dann leugnest du die Gefallenheit dieser Welt und hängst einem Ideal von Leben an, an dem du dich aufreiben wirst.

Sicher – die Schwermut fühlt sich zuerst nicht viel anders an, aber richtig verstanden als Heilung von einer Krankheit befreit sie vom schmerzhaften Ideal, sie öffnet den Raum für einen weiten Horizont hinter dem Sichtbaren, sie erkennt die Hand, die sich nach ihr ausstreckt voller Liebe, sie erweckt die Sehnsucht im Herzen – nach Gott. Der allzeit naiv Glückliche ist sich selber Gott und genug.

Aber: Die Schwermut fühlt sich dennoch an wie eine Wurzelbehandlung. Bestenfalls. Doch betäube sie nicht, heiße sie willkommen, durchtauche sie – wenn du prustend hindurch kommst, hast du neue Tiefe erlebt und eine Hand gefunden, die dich hindurchgezogen hat. Du streckst dich, schaust dich um und bist gewachsen – und leichter geworden. Die Mut zur Schwere ist der Mutterboden für die Blüten der Leichtigkeit, die sich im lauen Wind der Gegenwart Gottes wiegen. Habe Mut, verzagtes Herz.

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