Greta, Merkel und die Krise der Männlichkeit – eine Deutung

olf.jpg(Vorweg: Mich interessieren in diesem Post und bitte auch in Kommentaren auf FB keinerlei Inhalte, obwohl ich zu diesen eine dezidierte Meinung habe – ich möchte eine Ebene höher schauen, denn die beunruhigt weit mehr)

  • Beobachtung 1: Erst Merkel, nun Greta (und ich ergänze Frau Künast, Dunja Hayali etc…) lösen vor allem in Deutschland, vor allem unter Männern, massive Aggressionen und Entgleisungen aus. Aggressionen, die in den normalen Medien kaum ankommen, aber sich in den sozialen Medien ungehindert austoben: Mordgedanken, Folter, Vergewaltigung, übelste Beschimpfung – und das alles teilweise zumindest unter Klarnamen mit Bild.
  • Beobachtung 2: Die Aggression stammt zum allergrößten Teil von Männern. Nicht alle Frauen mögen Merkel oder Greta, aber sie greifen nicht zu solchen Verbalinjurien. Auslöser sind zum allergrößten Teil Frauen und zwar Frauen, die nicht dem „üblichen“ Frauenbild entsprechen. Das deutet bereits eine Problematik an. Männer wie Trump und andere Populisten wie Bernd (sic!) Höcke lösen vielleicht Spott aus und Kopfschütteln, aber längst nicht diese Tiraden an Hass und Verachtung.
  • Beobachtung 3: Diese Frauen stehen für etwas – und das deutlich. Merkel 2015 in Sachen Flüchtlingspolitik, Greta in Sachen Klimawandel… es geht also auch um klar vertretene und leidenschaftliche Überzeugungen.
  • Beobachtung 4: Als Traumabegleiter kenne ich eine Grundregel: Passen Auslöser und Reaktion nicht zusammen, ist also die Reaktion unangemessen gegenüber dem Auslöser, so handelt es sich im Aggressor um eine psychische Reaktion, in der alte Wunden/Traumata und ihre Nichtverarbeitung eine Rolle spielen. Alte Emotionen werden hochgespült und brechen sich kombiniert mit milderen aktuellen Emotionen die Bahn. Wir haben es also mit einem deutlich psychisch auffälligem Verhalten bei diesen Männern zu tun.

Wenn das alles so ist, dann haben wir es mit einer Krise der (vor allem deutschen) Männlichkeit zu tun, die traumatischen Kontext hat. Das entschuldigt diese Reaktionen überhaupt nicht – es geht mir um nüchternes Draufschauen. Entgrenzte männliche Reaktion dieser Tragweite hat mit:

  • einem deutlich gestörten Frauenbild (und vermutlich mit Vater- und/oder Mutterwunden) zu tun,
  • einem echten Problem gegenüber Menschen, die für etwas kraftvoll einstehen zu tun (denn viel zu wenige Männer stehen heutzutage für wirklich etwas leidenschaftlich ein, kämpfen für etwas, bekommen – auf gut deutsch – den Arsch hoch)
  • einer gestörten männlichen Identität zu tun, die nicht weiß, wo sie steht, was Mannsein ausmacht und die ihre Aggression viel zu lange unterdrückt hat (weil sie gesellschaftlich nicht akzeptabel ist), anstatt sie gesund zu integrieren und in Energie umzusetzen.

Ich meine wohlgemerkt nicht alle Männer, sondern die, die so entgrenzt reagieren, aber ich schätze, das sind 25% derer, die sich äußern in den sozialen Medien und das passt auch zu den Wählerzahlen der AfD – die sich auch vor allem aus Männern speisen. Die AfD kann somit als Aggressionsventil gedeutet werden. Darüber lohnte es sich ins Gespräch zu kommen. Denn über kurz oder lang wird diese Aggression real und nicht nur sprachlich. Wir haben hier ein Symptom der Krise der Männlichkeit.

 

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