Entmutigung – die erste: Warum dieses Thema?

oscar-keys-AmPRUnRb6N0-unsplash.jpgSeit ich Pastor in Gera bin, kämpfe ich weit mehr als vorher in den 13 Jahren meines Dienstes in Eschweiler (bei Aachen) mit Entmutigung. Ich kannte auch vorher melancholische, schwermütige Phasen (da hat mir Kierkegaard und speziell seine Verarbeitung bei Guardini sehr geholfen), aber die Dimension der Ermutigung in den letzten Jahren bewegt mich – und ich bin damit sicher nicht allein und deswegen umbete ich dieses Thema seit einiger Zeit… denn Entmutigung saugt, trübt ein, macht müde und zieht einen an den Rand eines tiefen, schwarzen Loches, an dem man am liebsten springen möchte – oder zumindest aufgeben.
Das alles hat mit einem Leben in Fülle und Freude, wie Jesus es den Seinen zusagt, sehr wenig zu tun – auch wenn die Verheißung von Jesus nicht bedeutet, dass Trauer, Schmerz und Dunkelheit nie sein dürfen – er durchlebt sie ja selbst. Entmutigung gilt es also nicht auszumerzen – sie wird immer Teil des (Glaubens-)Lebens sein, aber sie darf nie Zentrum werden und sich zum schwarzen Loch entwickeln.
Weil Entmutigung ein Thema vieler Menschen ist, möchte ich dieses Thema in den nächsten Wochen immer wieder weiter entwickeln und beleuchten, meine Gedanken dazu bündeln – das hilft mir selber auch.
Zuerst: Dass man auch(!) Entmutigung erlebt, ist normal. Wir leben in einer wunderschönen, aber gefallenen Welt voller Tragik, Schmerz und Ungerechtigkeit – es anders zu wollen und eine heile Welt zu erwarten, setzt einen unter eine permanente Reibung an diesem unrealistischen Ideal. Überhöhte, gar nicht erreichbare Ideale aber versklaven einen Menschen unter ein neues Gesetz. Und dieses Gesetz wird niemals Freude und eine positive Sicht auf die Welt und die Zukunft hervorbringen, sondern stattdessen Bitterkeit, Enttäuschung und eben: Entmutigung. Kein Mut zum Leben mehr.
Entmutigung hat also eine erste Ebene, die es zu beseitigen gilt – weil sie eine tod-sichere und lebenslange Garantie auf Entmutigung bietet: Das Ideal einer heilen Welt, in der alles so zu laufen hat, dass man niemals entmutigt wird. Das ist eine Illusion. An ihr festzuhalten, stranguliert das Leben. Erster Schritt aus der Entmutigung: Überprüfe dein Idealbild von dieser Welt und deinem Leben in dieser Welt.

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