Entmutigung – die zweite: Wo Entmutigung auf unsere Sehnsucht trifft.

„Das Leben ist nicht fair – gewöhnt euch dran“ (Frankie Heck zu ihren Kindern in der Serie „The Middle“)

Im ersten Teil habe ich aus eigener Betroffenheit, kurz: erlebter Entmutigung, geschildert, dass wir garantiert entmutigt werden, wenn wir ein Idealbild von dieser Welt und von unserem Leben in dieser Welt haben, ein Idealbild, das uns knechtet und fertig macht. Das Idealbild einer heilen Welt. Nein – diese Welt ächzt und seufzt in aller Schönheit. Umstände in dieser Welt entmutigen uns. Wer ein anderes Idealbild hat und glaubt, das Leben drehe sich um ihn, der wird sich daran müde reiben…

johnny-cohen-ubQyvYf2Fqs-unsplash.jpgUnd doch trifft die Entmutigung ja auf eine Sehnsucht in uns, die sich genau dieses Ideal wünscht. Entmutigung kann ja nur wirken, wenn sie auf etwas trifft, dass sich nach dem Gegenteil sehnt, etwas, das ursprünglich Mut hatte zum Leben in einer anderen Welt. So leitet uns die Entmutigung zu einem Nachhall, einer kleinen, stillen Stimme in uns, die noch weiß um das Paradies, um die ungetrübte Intimität mit Gott, die bewahrende, pflegende, kreative Gemeinschaft zwischen Mensch und Schöpfung. Da war so viel Schönheit, Friede, Nähe. Diese Ahnung hallt bis heute in jedem Menschen nach.

Trifft diese Ahnung, diese nachhallende leise Stimme auf das Gegenteil, auf entmutigende Erfahrungen oder Faktoren in unserem Leben – dann wimmert sie leise auf. Sie seufzt und ächzt unter dem Getroffensein durch den entmutigenden Impuls. So kann uns paradoxerweise die Entmutigung zur Wegbegleiterin werden – hin zum Herzen Gottes. Denn die Sehnsucht nach einer anderen Welt, der Nachhall des Paradieses in unserem Herzen entstammt dem Herzen Gottes und ist in jeden Menschen als Ahnung hinein gelegt (Pred 3,11). Die Entmutigung belegt gleichzeitig, dass wir für eine andere Welt geschaffen sind – aber in dieser leben und auch leben sollen und zwar trotzdem(!) mit Fülle und Freude – selbst manchmal im Leid – ermöglicht durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Fazit: Es geht nicht darum, Entmutigung zu beseitigen, um sein Leben zu optimieren – Entmutigung ist Fakt in einer gefallenen Welt, aber sie ist gleichzeitig Wegweiserin und Begleiterin hin zur Sehnsucht in uns nach tiefer, heiler Intimität. Mit Gott. Und der Schöpfung. Und diese Sehnsucht stammt aus dem Paradies, aus Gottes Herzen.