Entmutigung – die dritte: Warum Enttäuschung zur Entmutigung werden kann (und warum sie das nicht muss)

guillaume-de-germain-Z_br8TOcCpE-unsplash.jpgEntmutigung. Sie ist Teil eines unseres Lebens. Keine Entmutigung erleben zu wollen bedeutete, einem Ideal hinterher zu laufen und sich an Differenz zwischen Ideal und Wirklichkeit zu zerreiben (Teil1). Aber Entmutigung und die Sehnsucht nach dem Ideal zeigt auch etwas: Dass wir für eine andere Welt geschaffen sind. Diese Sehnsucht kann uns helfen, in Gottes Arme zu laufen (Teil2). Aber wie gehen wir nun mit Entmutigung um? Schauen wir uns an, wie sie entsteht…

Zuerst: Vieles hat das Potential, entmutigend zu sein. Umstände. Menschen. Situationen. Ergebnisse. Einfach alles. Und zwar immer dann, wenn (1) das Erlebte nicht dem entspricht, was wir erhofft hatten (Achtung hier drohen auch falsche Ideale!) und (2) wir daraus etwas Entmutigendes ableiten und (3) wenn das alles gehäuft auftritt.

(1) Potentiell Entmutigendes passiert. Beispiel: Ein Freund enttäuscht mich und plaudert etwas aus, das ich ihm im Vertrauen erzählt hatte. Meine Hoffnung entspricht nicht dem, was er tut – der Trigger ist somit gesetzt. Entmutigung wird angestoßen, getriggert eben. Ich bin enttäuscht. Was mache ich damit? Schnell stellt man an diesem Punkt fest: Hey – da gibt es mehrere Handlungsoptionen. Ich bin ent-täuscht, habe eine Täuschung verloren. Gute Sache, wenn auch schmerzhaft. Also kann ich das offene Gespräch suchen, ich kann die Beziehung beenden, ich kann mich besser schützen und nicht alles so schnell erzählen… alles andere als handlungsunfähig bin ich in diesem Moment! Aber Achtung: Auf der Sachebene! Emotional geschieht viel, viel mehr…

(2) Aus dem Erlebten wird eine Entmutigung. Damit aus einer Ent-Täuschung eine Ent-Mutigung werden kann, muss diese emotional etwas in mir anstoßen, das längst in mir ist. Angenommen ich folge nicht dem Ideal einer entmutigungsfreien Welt, so trifft das Erlebte aber zumeist auf innere Sätze, Überzeugungen und auch alte seelische Wunden. Ich kann zum Beispiel schon öfter erlebt haben, dass ich verletzt wurde. Im Moment des Vertrauensbruchs durch meinen Freund kommen alte, unverarbeitete Gefühle wieder hoch. Schmerzhaft. Saugen Energie ab. Ich trage Erfahrungen in mir, aus denen sich Muster gebildet haben. „Da, es passiert wieder. Immer werde ich in meinen Beziehungen verarscht. Irgendwas muss an mir nicht stimmen. Warum immer ich?“. Dieser innere Dialog ist nur ein Beispiel – er wird bei jedem Menschen anders aussehen – aber er existiert. Und wir stellen fest: Hoppla – da wird es schnell existentiell! Ich bin tief in neuen und alten Gefühlen drin und werde überwältigt durch den Schwall an tiergehendem Schmerz, der da über mich herein bricht.
Gäbe es nicht diese inneren Sätze und alte Wunden – könnten wir mit dem potentiell entmutigenden Ereignis sachlich umgehen! Es wäre NICHT entmutigend. Wir könnten es dann betrauern, bedauern, die Konsequenzen daraus ziehen – aber es würde uns nicht herunter ziehen in den Sumpf der Entmutigung. Jede Entmutigung zeigt also an: Da wartet etwas darauf, entdeckt und geheilt zu werden!

(3) Ein schwieriges Erlebnis ist meist noch zu bewältigen – kommen aber mehrere zueinander und verstärken sich, ist bei jedem irgendwann der Punkt erreicht, an dem eine tiefe Entmutigung einsetzt. Wann das ist, und ob man diesen Punkt verschieben kann – das schauen wir uns später an.

Fazit für diesen Teilabschnitt: Damit aus potentiell entmutigenden Ereignissen eine Entmutigung werden kann, müssen sie in uns auf alte Erfahrungen, Wunden, Sätze treffen, die das Ereignis auf eine weitreichendere und tiefgehendere Ebene heben. Somit ermutigt uns eine Entmutigung, genauer hinzuschauen und unsere Geschichte endlich ernst zu nehmen. Woher kenne ich das? Wann habe ich das zuerst erlebt? Was schließe ich daraus über mich, meinen Wert, meine Existenz? Das können hilfreiche Fragen sein…