Entmutigung (5) – Wie wir mit NELA entmutigenden Impulsen direkt begegnen können.

Entmutigung existiert, es wäre Wahnsinn von einer Welt ohne Entmutigung zu träumen – wir zerrieben uns an diesem Ideal. Entmutigung hat viel mit unserer Prägung zu tun. Mit Stimmen in uns, die diese Entmutigung bereitwillig entgegen nehmen und als Bestätigung dessen sehen „was schon immer im Leben so war“. Aber wie geht man jetzt mit Entmutigung um? Eine hilfreiche Methode ist NELA.

  • N – Nimm es an
  • E – Erlaube es dir
  • L – Lass es ablaufen
  • A – Atme

Ein Gefühl der Entmutigung entsteht in mir durch einen äußeren Auslöser (Trigger) oder einen inneren Prozess (zum Beispiel grübelndes Wiederhochholen schmerzhafter Erlebnisse). Ich spüre, wie meine Brust eng wird, wie ich flacher atme, wie ich eintrübe und traurig werde… und nun: NELA. „Hallo Entmutigungsgefühl, da bist du. Ich erkenne dich und kenne dich gut. Ich werde dich nicht bekämpfen oder Verdrängen. Du bist da und ich erlaube dir da zu sein. Ich will deine Botschaft verstehen, danke, dass du mir ein wichtiges Signal sendest. Ich lasse dich nun wieder los. Tiefes, ruhiges Atmen…“

robin-benzrihem-YDLiKD8ZLeA-unsplash.jpgWarum ist diese Vorgehensweise aus der Traumatologie so hilfreich und findet sich genau so in der christlichen Tradition wieder (gerade in der Kontemplation)? Was ich bekämpfe, mache ich stärker. Gefühle sind nicht böse, sondern haben eine Botschaft. Gefühle sollen uns aber auch nicht einnehmen und beherrschen. Also ein bewusster(!) Prozess, der das Gefühl ernst nimmt und ihm „lauscht“, es dann aber auch wieder loslässt. Das Atmen aktiviert dabei den Parasympathikus und wirkt entspannend auf das vegetative Nervensystem. Puh…. das tut gut…

NELA ist Übungssache und Achtung: Kein Trick, um das Gefühl dann doch wieder möglichst schnell loszuwerden oder zu verdrängen. Es ist ein bewusstes Annehmen und Wahrnehmen – dann aber auch wieder loslassen. Gewaltfrei. Ruhig. Klar. Wohltuend.

Was hat das mit dem Glauben zu tun? Gott hat unsere Gefühle nicht zum Spaß geschaffen. Auch wenn alles in uns versucht, Glück (was auch immer das ist) zu optimieren und Schmerz zu minimieren (ein quasireligiöser Kult unserer Zeit mit eigenen Liturgien, Ritualen, Opfern und Priestern, aber das ist ein eigenes Thema), auch dumpfe, traurige und melancholische Gefühle haben Berechtigung und sind Botschaft. Wir nehmen sie auf Gottes Hand. Gleichzeitig soll uns aber nichts gefangen nehmen. Wir wollen nicht ferngesteuert aus seelischen Impulsen leben – sondern mehr und mehr aus der Fülle des Geistes. Mit NELA gelingt das ein kleines Stück und ganz praktisch immer mehr. Zurück in die Gegenwart, die immer auch eine Gegenwart Gottes ist. So können alte Wunden beginnen zu heilen – indem wir die Signale ernst nehmen, die sie senden. Aber nicht so ernst, dass sie uns binden und bestimmen und uns von unserer eigentlichen Bestimmung abhalten…