Entmutigung (6): Entmutigt von Gott!(?)

gianfranco-grenar-eTNtXTEB2Jg-unsplash.jpgWir haben bisher Gründe für Entmutigung in falschen Idealbildern gefunden, in uns selbst und natürlich auch in äußeren Umständen, die uns herunter ziehen und uns Freude und Kraft zum Leben rauben. Nun wäre es ein Leichtes, ganz schnell Gott als ER-Mutiger dagegen zu setzen und auf den bisher erklärten Mangel die Erfüllung eben dieses Mangels durch die Person Gottes anzuführen. Ein paar Bibelverse dazu und zack – fertig!

Doch so einfach ist es nicht. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich auch manchmal von Gott entmutigt fühlen. Einen davon treffe ich hin und wieder im Spiegel.

„Wo war Gott, als ich…? Warum schweigt Gott? Warum spüre ich ihn nicht, wo ich ihn so brauche…? Ich habe alles auf Gott gesetzt und nun? Zerbruch…!“ Die Faust erhebt sich wütend gegen den abwesenden Gott oder sinkt erschöpft nach unten. Übrig bleibt: Traurigkeit, Bitterkeit, Unverständnis… wenn Gott ein liebender Vater ist, wo ist er dann gerade jetzt? Dazu kommt ja auch noch, dass Jesus immer und immer wieder genau diese Dinge zusagt. Die Ermutigung des Vaters in unserer Kraftlosigkeit und Schwäche… und nun?

Ich habe keine einfache Antwort.

Ich habe sie nicht.

Sie in Gänze haben zu wollen, wäre auch nicht gesund.

Dann würde ich die Weisheit des Universums, die ER in sich trägt, verstehen.

Also habe ich sie nicht.

Ich kann mich nur annähern und Möglichkeiten angeben, die vielleicht helfen.

  • Ist mein Gottesbild schief und krumm, kann es sein, dass ich den liebenden Vater nicht erlebe, weil ich ihn bisher kaum kennen gelernt habe. Dann muss ein altes Bild von Gott zuerst beseitigt werden. Falsche Götter bzw. Götzen in uns müssen sterben. Und so manche fromme Erziehung braucht eine evangeliumsgemäße Entziehungskur, manchmal gar einen Exorzismus.
  • Suche ich bei Gott eine einfache geistliche Abkürzung, um Schmerz in mir und Arbeit an mir selbst und an Umständen aus dem Weg zu gehen, so wird es genau das in seiner Liebe nicht zulassen. „Herr, ändere meinen Partner, mach ihn oder sie anders…“. Gott: Wo sind deine Wunden? Deine blinden Flecken? Wo bleibt deine Liebe hinter dem zurück, was dein Partner empfangen könnte, wenn du ganze Sache machst?“
  • Gott zieht sich manchmal zurück, damit wir IHN um seiner selbst willen suchen. Und nicht seine Gaben. Seine Geschenke. Sein Segen. Die Gaben Gottes, die angenehmen Seiteneffekte des Glaubens können selbst zum falschen Gott werden, hinter dem der Vater verschwindet…
  • Manchmal möchte mir Gott auf anderen Wegen begegnen, als ich ihn erwarte. Bete ich um einen Wink direkt vom Himmel in einer schwierigen Entscheidungssituation, dann kann es sein, dass ich so eingefahren bin, dass ich nichts erlebe. Vielleicht möchte mir Gott aber auf andere Weise antworten? Durch Umstände? Durch Mitmenschen? Durch innere Impulse und gesunden Menschenverstand?
  • Manchmal geht es aber auch darum, auszuharren. Dran zu bleiben. Nicht aufzugeben. Treue zeigt sich nicht in den Zeiten, in denen Partner sich gegenseitig in Perfektion alles geben, was sie brauchen. Treue zeigt sich in Krisen. Wenn einer nicht mehr kann. Sich verändert hat durch eine Depression. Schwach ist. Nein, Gott verzweckt nicht deine Krisen. Er nutzt sie nur, damit du mündiger, stärker, reifer wirst und in Zukunft anders mit Krisen umgehen kannst.

Wichtig ist eins, wenn du dich entmutigt fühlst – eine Sache steht: Gott ist dein Papa, wie ihn dir Jesus gezeigt hat. Gott = Jesus. Gott ist gut. Immer. Er will dein Bestes. Immer. Halte daran fest. Und frage ihn, ob du etwas falsch verstehst bzw. lernen kannst. ER ist da.