Abendmahl in Corona-Zeiten oder – die unselige Trennung zwischen Klerus und Laien…

Nun krabbeln sie grauhaarig aus ihren Elfenbeintürmen, die ehrwürdigen Theologen und schwenken bedeutsam mahnend ihren Zeigefinger und raunen:

debby-hudson-qa74Yh6-xlc-unsplash.jpg„Feiert ja nicht einfach so zuhause Abendmahl! Auch wenn euch dazu ein Pfarrer – virtuell ins Wohnzimmer geholt – räumlich und/oder zeitlich versetzt auffordert… ein solches Abendmahl geht nicht… ist theologisch nicht korrekt…“

Wie hilflos ist der Laie, also der ordinäre Gläubige beiderlei Geschlechts, wenn er ohne seinen Vertreter des Klerus ist! Kein Abendmahl. Keine Taufe. Nix geht. Echt dumm gelaufen. Da könnte doch der Gläubige auf ganz dumme Ideen kommen und mündig werden wollen… und die Hierarchie in Frage stellen und sich gar fragen, ob das denn alles mal so gewollt war…

Nun will ich hier nicht über Theologie befreundeter Kirchen lästern als Freikirchler – der ich ja aus vollster Überzeugung geworden bin, ohne deswegen behaupten zu wollen, wir hätten die lupenreine Theologie. Die hat keiner. Aber die Frage sei erlaubt:

„Wäre es in einer solchen Krise nicht dran, die Chance zu ergreifen und mal gemeinsam drüber nachzudenken, was denn dem Evangelium entspricht? Und Theologie ganz entspannt daran anzupassen?“

Ok, Theologie und entspannt – falsches Wortpaar. Also einfach mal so gesagt und ich mache hier keine Diskussionplattform auf, das möchte ich betonen, ich schildere einfach meinen Erkenntnisstand:

    1. Ich halte die Trennung zwischen Klerus und Laien, wie auch immer die theologisch und praktisch aussieht, für nicht haltbar. Geistliche Gnadengaben beschenken uns mit Talent und Auftrag – und zwar jeden und jede. Und so sollen sie auch eingebracht werden. Flache Hierarchie. Dienende Hierarchie. Jeder und jede mit seinen und ihren Gaben aktiv.
    2. Das Abendmahl ist eingebettet in den normalen alltäglichen Zusammenhang oder kann festlich im Gottesdienst gestaltet werden – BEIDES ist möglich. Auch alltägliches Abendmahl. Ich glaube, dass dieses viel zu selten privat als Familie, als Paar, als Hauskreis gefeiert wird. Ich habe auch schon öfters das Abendmahl allein mit meinem Herrn gefeiert, wenn es gerade nicht anders ging und ich Stärkung benötigte. Das Zurückzucken vor dieser Möglichkeit, diesem Geschenk, ist eine Folge kirchengeschichtlich falsch eingeübter Reflexe und findet sich auch in unseren Freikirchen noch (muss nicht der Pastor den Segen sprechen? Sonst ist der doch nicht richtig…). Warum sollte ich mir etwas so Machtvolles und Heilsames entgehen lassen, nur weil kein Pfarrer dabei ist? Schlicht, einfach, ein Gebet, ein Segenswort – und ein Denken daran, dass Abendmahl nicht individualistisch zu verstehen ist, sondern den Leibgedanken in sich trägt. Dieser Charakter darf auch in Trennungszeiten vom erlebbaren Leib nicht verloren gehen. Daran zu denken, dafür zu danken, dass man dem unsichtbaren und(!) einem realen Leib Christi angehört – das gehört zum Abendmahl.
    3. Was glauben wir vom Evangelium her? Dass Jesus sich nicht am Abendmahl erfreuen kann, weil es „der Falsche“ gesegnet und verteilt hat? Weil man nicht real als Gemeinde und Kirche zusammen sein kann, sondern nur virtuell (wobei die Frage ist, ob Gebet nicht per se etwas quasi virtuelles ist…;-)? Wie eng wäre eine solche Sicht? Nein: Jesus hat uns das Abendmahl geschenkt und er hat es gefeiert im kleinen Kreis mit den Emmausjüngern, es wurde in den kleinen einzelnen Haugemeinschaften gefeiert und in Korinth eingebunden ins normale Abendessen… und das Abendmahl tut so gut! Als Geheimnis des Glaubens diesen zu stärken… gerade in diesen Zeiten.

Darum: Warum nicht mal die Trennung zwischen Laien (die es meines Erachtens nicht gibt) und Klerus überprüfen, die eigene vielleicht empfinde Hilflosigkeit überwinden. Mündig werden in Glauben und Praxis. Den Gemeinde-Leib lieben und wert schätzen. Abendmahl als kräftigendes Geschenk annehmen und egal in welchem Kontext fröhlich feiern. Was für eine Chance! Und wenn wir dann wieder zusammenkommen und live feiern können – wird das grandios! Denn beide Formen sind so wichtig!

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