MIT dem Leben arbeiten, nicht AN dem Leben

Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde wohnen im Haus des HERRN lebenslang. (Psalm 23,6)

Ich werde wohnen. shavti (שבתי) im Hebräischen. Die Wurzel sh-v-t bildet auch die sprachliche Basis des Wortes Sabbat. Das Verb dahinter bedeutet übersetzt – passend zum Sabbat – „aufhören zu arbeiten“.

Im Hause Jahwes zu wohnen ist hier also weniger eine Ortsangabe, also WO wir leben, sondern WIE wir leben! Im Hause Jahwes zu „shavatten“ bedeutet: Ich höre auf, an meinem Leben herum zu arbeiten und beginne, MIT meinem Leben zu arbeiten.

An meinem Leben arbeiten bedeutet: Ich versuche, meinen Willen dem Leben aufzuzwingen. Das Leben zu formen nach dem eigenen Willen. Das hat zur Folge, dass ich zufrieden bin, wenn das gelingt und unzufrieden, wenn das nicht gelingt. Meistens läuft das Leben aber nicht nach den eigenen Wünschen und wir haben ja auch längst nicht alles im Griff – vermutlich das Meiste nicht. Tragödien, Verluste, Krisen, Krankheit – wir sind eben im Tal der Todesschatten unterwegs. Das alles gehört dazu. Wir aber haben die Wahl: Wollen wir voller Furcht durch dieses Tal oder furchtlos an der Seite Gottes.

Psalm 23 ist eine Anleitung zum furchtlosen Lebens-Gehen. Wir drehen an der Seite Gottes weniger um das, was wir dem Leben aufzwingen wollen und erwarten, wir beginnen MIT dem Leben zu arbeiten. Anzunehmen, was kommt und es dann zu verarbeiten und eventuell zu ändern. In einer Haltung der Gnade, der Geborgenheit, ohne Krampf, etwas formen und schaffen zu müssen. MIT dem Leben zu arbeiten bedeutet anzunehmen, was ist und daraufhin versuchen zu ändern, was kommt. Wenn du Frieden willst, musst du akzeptieren, dass gerade Konflikt ist. Wenn du Versöhnung mit Menschen willst, musst du vorher annehmen, dass diese Versöhnung nötig ist, dass du verfeindet lebst und du dich nun mit diesen Menschen zusammen setzen musst. Wenn dein Ideal ein konfliktloses Leben ist und du versuchst, dieses Ideal deinem Leben aufzuzwingen – dann wirst du daran traurig und müde werden. Du zerreibst dich.

Mit Gott als Hirte an der Seite kannst du die Dinge annehmen, wie sie sind. Dann kannst du schauen, was du mit seiner Hilfe änderst. Und Gnade und Barmherzigkeit werden deine Segensspur für diese Welt sein.