Nicht mehr und nicht weniger…

Ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte. (Römer 12,3)

Heute würde Paulus vielleicht schreiben: „Dass niemand mehr von sich halte und auch nicht weniger…“ – die Problematik der empfundenen eigenen Minderwertigkeit gab es damals vermutlich noch nicht in diesem epidemischen Ausmaß wie in unserer Zeit, in der nur noch Optimierung und Leistung gilt.

Maßvoll heißt aber eben: Ich habe Gaben UND Grenzen und darf diese feiern. Ich bin bedürftig, verletzlich, schuldig – aber gleichzeitig begabt, großartig geschaffen, ein Wunderwerk. Aber schon bei dieser Aufzählung merkt man: Bei den Dingen auf der „Haben“-Seite geht es um Geschenke. Dinge, die uns gegeben sind: Gaben haben wir vielleicht entwickelt, aber im Letzten sind sie angelegt, geschenkt. Dass wir wunderbar geschaffen sind (egal welche Hautfarbe, Geschlecht, Behinderung und nicht, alt oder jung) – auch das ein Geschenk. Manche würden sagen: Vom evolutionären Zufall. Ich würde sagen: Von der kreativen Schöpferhand Gottes, der sich der Mechanismen der Natur bedient.

Gerade deswegen ist die Beziehung zu diesem Papa-Gott, der sich uns in Güte, Liebe und Gnade in Jesus Christus zeigt, so heilsam. Weil wir uns begreifen dürfen als wunderbare, geliebte Wesen. Damit das allerdings heilsam gelingen kann, sollten wir auch aufhören, uns auf uns selbst etwas einzubilden. Wir dürfen uns an uns selber freuen – aber wir sind nicht die Quelle und der Ursprung dieser Freude. Mit Vater, Sohn und Heiliger Geist selbst-bewusst und gleichzeitig selbst-vergessen zu leben – das tut uns gut, erdet und heilt uns!