Du sollst gewinnen – nicht ich!

(Entwurf für eine Radioandacht MDR)

Der kenianische Läufer Abel Mutai war bei einem Rennen im Jahr 2012 nur wenige Meter vom Ziel entfernt, hatte aber offensichtlich die Hinweisschilder verwechselt, hielt an und dachte, er hätte das Rennen gewonnen. Der Spanier Ivan Fernandez, der mit Abstand hinter ihm lief, erkannte, was los war, und schrie den Afrikaner an, er solle weiter laufen. Mutai kannte kein Spanisch und verstand es nicht. Als Fernandez bemerkte, was los war, hielt Fernandez an und trieb Mutai vor sich zum Sieg. Fernandez wurde später gefragt, warum er das getan habe – er sagte: „Ich hatte es nicht verdient, zu gewinnen. Ich tat, was ich tun musste. Er war der rechtmäßige Gewinner. Als ich sah, dass er anhielt, wusste ich, dass ich ihn nicht überholen würde. Er sollte gewinnen!“

Er sollte gewinnen – nicht ich – Er! Haben Sie das schon einmal in Ihrem Leben gehört? Dass sich jemand selbst zum Verlierer macht, damit Sie gewinnen? Das ist sehr ungewöhnlich. Oft zählt doch nur der Ellbogen und das ICH. Hauptsache ich komme weiter. Hauptsache ICH gewinne. Was für ein Kontrast. Auf Dauer kann Gesellschaft aber nur heilsam für alle sein, wohlgemerkt für alle, wenn Mann oder Frau sich auch zurücknehmen kann und jemandem dient, der es gerade braucht. Gott hat es so gemacht. Er hat alles aufgegeben und ist in Jesus Mensch und sogar Verlierer geworden – damit Sie und ich zu Gewinnern werden können. Und was er vormacht, das ist heilsam für alle. Tauschen sie doch mal Ellbogen gegen eine hingestreckte Hand.