Wieder reingefallen: Achtsamkeit und Langsamkeit vs. Hektik und Erschöpfung

Eigentlich weiß ich es besser. Dass es trotzdem immer wieder mal anders läuft – tja: geistlicher Kampf mit einem gewaltigen Götzen unserer Zeit: dem Tempo, dem Multitasking (mehrere Sachen gleichzeitig tun), dem „zu viel wollen und machen“… reingefallen, 2 Tage vor Urlaubsbeginn Hektik pur, an der körperlichen Grenze. Dabei ist es doch klar…

„Wenn du es eilig hast, geh langsam“ – so lautete schon vor Jahren ein Buch vom Zeitmanagement-Papst (sic! DA sitzen die Geistlichen!) Lothar Seiwert. Wie recht er hat.

Arbeitnehmer, die konzentriert kürzer arbeiten, verrichten oft kreativere und effektivere Leistung als bei Überstunden und das bei höherer Zufriedenheit – auch das ist längst belegt.

Seit Jahren bin ich Teil der Slow-Bewegung (z.B. slow food) – die Langsamkeit und Wertschätzung fördert… schlimm, wenn man Produkte und Lebensmittel besser behandelt als sich selbst… vielleicht sollte ich mir mal ein BIO-Siegel auf die Stirn kleben, mich natürlich düngen, Zeit nehmen …

Begegnung mit Gott findet in dem engen Korridor der achtsam gelebten Gegenwart statt – im Wirrwarr meiner to-do-Liste jedenfalls verheddert sich mein Geist und unterliegt der Tyrannei des Dringlichen.

Bei Gott ist Zeit relativ. Er kann im Schlaf schenken – er kann 1000 Jahre wie ein Tag sehen – also sollten wir IHN viel mehr unsere Prioritäten und Zeitpläne bestimmen lassen. Zumindest aber sollte diese Denke endlich zu mehr Gelassenheit und Vertrauen führen – mein geschäftiges Herz kapiert es immer wieder mal nicht.

So brauchen wir, so brauche ich wohl mehr ein afrikanisches Gebet um Langsamkeit (beim Präses BFeG Ansgar Hörsting gefunden, der es aus seinem feinen Buch zitiert) – vielleicht ist es deren Geschenk an uns, denn Afrikaner haben damit weniger Probleme – ich habe es nötig… also: langsam lesen….laaaangsam…:

Ein Gebet aus Südafrika:

Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.

Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge.

Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig sind.

Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.

Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.

Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

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