Überraschende Geldgier – verpasste Zufriedenheit.

Lasst nicht die Geldgier euer Leben bestimmen. Gebt euch zufrieden mit dem, was ihr habt. Denn Gott selbst hat versprochen: »Ich werde dich nie vergessen und dich niemals im Stich lassen.« (Hebräer 13,5, NGÜ)

Geldgier? Ich? Niemals! Und doch. Ich spüre einen Stich in mir, wenn sich andere etwas mit Leichtigkeit leisten können, das vermutlich in meinem Leben nach menschlichem Ermessen nie eine Rolle spielen wird. Eine Reise in die Karibik. Ein Oldtimer. Die Objekte der Begierde sind austauschbar nach persönlichem Interesse. Ich spüre diesen Stich. Es berührt mein Gerechtigkeitsempfinden. Ich arbeite doch auch viel. Und die da? Womit haben die mehr verdient? Ja – die Gier nach dem „Mehr“ spielt auch in meinem Leben eine Rolle. Gier ist kein Privileg der Reichen, sondern genauso der enttäuschten „Nichtganzso“-Reichen.

gänsebSie vernebelt gleichzeitig die Zufriedenheit. Wenn ich diesen Nebel hinter mir lasse, spüre ich, was ich in unseren Urlauben schon alles entdeckt und genossen habe! Wie herrlich war das denn?! Schiele ich dagegen auf die Karibik des Nächsten, wird diese Erinnerung mit einem grauen Mehltau überdeckt. Wenn ich das Ersehnen des „Mehr“ hinter mir lasse, dann freue ich mich über meine Vespa – ein Jugendtraum. Es wird vermutlich nie ein Oldtimer sein, aber eben diese Vespa!

Und dann spüre ich mit einem Male die revolutionäre Kraft dieses Verses. Wie frei wäre ich, wenn ich zu-Frieden sein könnte? Wenn alle Menschen zufrieden wären, wirklich durch und durch zufrieden, dann bräche unsere Marktwirtschaft zusammen! Aber vielleicht will Gott diese Zufriedenheit zumindest von seinen Kindern? Dass sie alles auf IHN setzen und nicht auf irgendetwas anderes? Das würde uns verändern. Frei machen. Und unser Umfeld letztlich faszinieren

Niederlage im Kampf gegen Sünde oder längst aufgegeben? Dann: Strategiewechsel!

Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben (Titus 2,11.12; NeÜ)

depressedWillkommen Lieblingssünde! Mal wieder. Gefallen. Plumps. Scham macht sich breit. Traurigkeit. Kraft wird abgesogen und Lebensfreude weicht mit einem tiefen Seufzer. Warum bin ich nicht weiter? Warum so ein Versager? Sollte ich als Christ… nicht siegreicher, weiter sein? Also aufstehen und mehr anstrengen. Ausgeklügelte Pläne entwerfen, wie ich diese Sünde doch loswerden kann. Diese dumme Gewohnheit, die so viel Freude raubt und dennoch so gewohnt und vertraut ist.

Kennen Sie dieses Szenario? Eine erschöpfende Sinuskurve zwischen Freude, vorsichtiger Zuversicht und tiefer Niedergeschlagenheit und Kapitulation. Keine wirkliche, dauerhafte Freude, sondern nach jedem Aufatmen der tiefe Fall. Jedes Mal scheint es tiefer zu gehen. Oder aber man gewöhnt sich an die Sünde und redet sie sich schön, integriert sie ins Leben. Das aber ist wie ein Ignorieren von wucherndem Krebs. Er belastet vielleicht erst einmal nicht mehr in dem Maße wie vorher – aber er ist immer noch da und wütet weiter. Durchwuchert alles und frisst Leben!

Der Anfang jeder Freiheit von Sünde ist aber nicht meine Anstrengung. Es ist Gnade. Immer wieder Gnade. Sie erzieht uns, die falschen Begierden zu verleugnen. Nicht unsere Leistung. Nicht unser guter Wille! Noch einmal: NICHT unser guter Wille! Nichts Menschliches hilft. Punkt. So ist das. Das einzusehen, geht an den Stolz. Der Ausgangspunkt ist und bleibt ein Leben lang: Gnade. Keine Patentrezepte. Fang an bei der Gnade und bleibe bei ihr.

Kintsugi – oder wie unsere Risse im Leben vergoldet werden…

Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt. (2. Korinther 4,7)

Kintsugi. Muss man nicht kennen. Hilft aber. Fasziniert. Kintsugi ist eine japanische Reparaturtechnik für Keramik. Eine Teeschale zerbricht. Was macht man damit? Schließlich hängt vielleicht persönliche Geschichte daran? Ein Künstler, der sich viel Mühe gegeben hat? Eine solche Schale hat nach langem Gebrauch „Seele“ bekommen. Kintsugi repariert das Keramikobjekt, indem es die Scherben zusammenklebt mit Urushi-Lack bzw. Knetmasse für fehlende Teile. In diesen Lack bzw. in die Knetmasse wird Goldpulver gemischt – so dass die Risse in der Schale nachher nicht mehr stören, sondern Teil vom Ganzen werden, sogar betont und „wichtig“ werden.

kintsugiIch finde das einen sehr achtsamen und geradezu rebellischen Umgang mit Konsumgütern. Nicht wegwerfen, neu kaufen, sondern gerade den Zerbruch nutzen und zum Thema machen. Hinterher sieht eine solche Schale schöner aus als vorher, hat an Charakter gewonnen.

Ich stoße an meine Risse. Und an das Bild vom starken, makellosen, leistungsfähigen Menschen in unserer Leistungsgesellschaft. Ich spüre meine Risse jeden Tag. Wenn ich vor einem Konfliktgespräch Magenschmerzen bekomme – anstatt cool und überlegen zu sein. Ich verurteile mich für die Magenschmerzen. Gott sagt: „Nein! Hör auf damit. Sie haben ihre Gründe und du heilst nicht durch Ablehnung, sondern indem ich diese Risse adele und nutze für meine Stärke, für göttliches Gold“

Steh zu dir. Lass IHN stark sein in dir. Es ist in Ordnung. Und du wirst wie nebenbei erleben, dass du dich veränderst und schöner wirst.

Frieden finden in stürmischen Zeiten – Frieden über alles Denken hinaus!

…und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus. (Philipper 4,7; ELB)

steinWozu hat Gott unseren Kopf rund gemacht? Damit wir um die Ecke denken können! Ein herrlicher und tiefsinniger Witz. Manchmal gebe ich mir aber eine andere Antwort, bzw. zweifle die gegebene Antwort an. Denn: Es gibt Zeiten, in denen all unser Denken an seine Grenzen stößt. Es wird am Lebensgebäude gerüttelt und geschüttelt, dass es nur so knirscht und kracht! Dann scheint mir mein Denken nicht „um die Ecke“, also vielseitig und kreativ zu sein, sondern sehr sehr beschränkt. Es BLEIBT eben auch in diesem runden Kopf – und meiner IST rund. Egal wie klug ich kalkuliere und plane: Ich bekomme keinen Frieden in mein Leben hinein. Manches ist eben auch nicht in den Griff zu bekommen! Da muss ich lernen, Kontrolle abzugeben! Gar nicht leicht…

Solche Zeiten sind kein Zufall. Sie lehren uns, unseren Kopf zu verlassen. Nicht nur auf der materiellen Ebene dieser Welt zu bleiben, sondern uns nach Gott auszustrecken. Denn wenn wir an unsere Grenzen stoßen, dann können wir uns daran schmerzhaft die Nase blutig laufen. Oder aber: Die Grenzen sprengen. Indem wir auf Gott schauen und den Himmel als ebenso reale Dimension in den Blick nehmen. Von dort kommt ein Frieden, der höher ist als alles Denken! Das verspricht Paulus hier. Aber damit endet die Zusage nicht. Unsere Herzen, also unser ganzes Wesen und unser frustriertes und an die Grenzen gestoßenes Denken findet diesen Frieden IN Christus. Das ist das große Geheimnis des Glaubens: Dass Christus in uns ist, wenn wir ihm vertrauen – und dass wir in ihm sind. Dieses in ihm sein – dieses geborgen sein in einem Größeren, das verändert alles. Und meine Gedanken? Finden Frieden.

Gottes Sorgenschleuder für dich – wie sie funktioniert und wie’s daneben geht!

Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn. (Philipper 4,6; NGÜ)

Sorgenschleuder die zweite! Wie funktioniert eine Schleuder? Wenn ich an meine kleine YPS-Steinschleuder denke, dann hatte die zwei kräftige Gummiringe, die beidseitig an der Wurfarmachse befestigt waren und über eine Umlenkachse auf der anderen Seite am Bodengestell. Dann wurde gespannt und – Paff! Ab ging der Felsbrocken – naja, Papierkugel, Erbse… Wäre einer der beiden Gummiringe gerissen, dann wäre der Wurf daneben gegangen! Kraft und Präzision hätten gefehlt. Ähnlich ist es bei der Sorgenschleuder!

sorgeBittgebet, Dankbarkeit, Flehen! Dankbarkeit ist die Grundhaltung, um Sorgen wegzuschleudern. Dankbarkeit ist das ziemlich genaue Gegenteil von dem, was man natürlicherweise produziert in Sorgenphasen! Zugespitzt: Dankbarkeit ist diametral der Sorge entgegen gesetzt. Sie sagt nämlich: „Du hast es im Griff, Gott, es passiert so viel Gutes in meinem Leben. Danke! Danke dass du mich mit diesem Leben beschenkst!“ Der natürliche Mensch würde gegen eine solche Aussage in Sorgenphasen aufbegehren! Gerade deswegen ist das Einüben dieser Haltung so wichtig. Sie entspricht ja der Wahrheit hinter den Tatsachen. Sorgen gaukeln uns ja nur vor, dass es nicht anderes mehr im Leben gibt außer ihnen. Dankbarkeit lebt die Wahrheit hinter den Sorgen.

Aber auch das Flehen muss dazu kommen. Flehen heißt: Wir bringen unsere Sorge nicht abgeklärt vor Gott – sondern bekommen Kontakt mit unseren Ängsten, spüren unsere Verzweiflung, nehmen dieses Chaos wahr (das verlangt Mut!) und werfen es geballt und radikal ehrlich vor Gott. Wenn das alles zusammen kommt – hat die Sorgenschleuder Kraft, unser Leben zu verändern.

Starte die Sorgenschleuder! Und kawumm!

Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn.. (Philipper 4,6; NGÜ)

Ich hatte als Kind so um die 10 Jahre ein Lieblingsspielzeug. Eine Nachbildung einer historischen Steinschleuder, wie sie bei dem Sturm auf Festungen benutzt wurde. Irgendwann lag diese aus Plastik bei der Zeitschrift YPS dabei (die Älteren werden sich erinnern…;-). Unendlich viele Kiesel habe ich damit gegen ebenso unendlich viele Hindernisse geschleudert und mir dabei vorgestellt, wie Festungen weichen mussten, wenn dicke Felsbrocken gegen die Palisaden knallten! Kawumm! Herrlich.

Gott fordert uns auf, zur Sorgenschleuder zu werden. An anderer Stelle schreibt er sogar wörtlich, wir sollen alle Sorgen auf ihn werfen – hier ist es eine kraftvolle Aufforderung, ja ein Gebot! Sorgt euch um nichts! Legt eure Sorgen als Gebet zusammen sorgemit Dankbarkeit auf die Sorgenschleuder und ab dafür! Warum sind Gott ausgerechnet Sorgen so wichtig? Weil sie Ausdruck einer ungesunden Ichbezogenheit sind. Sich in Sorgen um etwas drehen bedeutet: Ich bin ja verantwortlich. Ich muss es machen, planen, hinkriegen! Hier geht es nicht um Zukunftsplanungen – da sollen wir verantwortlich handeln – sondern um die Frage: Drehst du um deine Sorgen? Sowie du das tust, kannst du nicht um Gott drehen und wirst unfrei! Deswegen ist Gott dieses Thema so wichtig – weil nur im Drehen um IHN Freiheit und Weite wartet.

Die Sorgenschleuder reißt also eine eine ganz andere Wand ein, auch wenn die Sorgenbrocken Richtung Gott fliegen – zerstört wird die Gefängnismauer unserer Ichbezogenheit. Alles Wesentliche macht er. Er sorgt sich an meiner Stelle. Du – lebe! Unbeschwert.

Freude, Paulus, Freude – aber wirklich immer?

Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (Philipper 4,4; NGÜ)

Ach, Paulus. Ich lese das und denke mir: Willst du uns zu Dauergrinsern erziehen, die die Realitäten dieser Welt ausblenden und ein fromm angepinseltes positives Denken praktizieren? Das kann es doch wohl nicht sein, oder? Aus meiner Geschichte heraus ist mir ein großes Anliegen im Glauben – und ich bin mir sicher es ist auch ein Anliegen freudeGottes – dass wir echt sind und ehrlich im Glauben. Uns nicht verstellen. Was gibt es Schlimmeres als Christen die „vornerum“ so sind und „hintenrum“ dann anders. Nach außen lustig und fröhlich – in Wirklichkeit traurig und zweifelnd. Tragisch! Und nicht weit entfernt von den „übertünchten Gräbern“ der Pharisäer. Was meinst du also Paulus?

Paulus sitzt im Gefängnis, als er den Brief verfasst. Keine freudige Situation. Übertüncht er Wahrheit? Nein! Und ich begreife heute beim Schreiben dieser Andacht, dass es mehrere Schichten von Echtheit gibt und die kritische Frage an mich und vielleicht auch dich lautet: Ist es denn echt und authentisch, immer nur die eine Echtheit in den Blick zu nehmen und halt schlecht drauf zu sein, wenn man schlecht drauf ist und fröhlich, wenn man fröhlich ist? Ist es nicht genauso echt, den Blick auf die Beziehung zu Gott zu wenden und diese zu meditieren, zu bestaunen und anzubeten, um so der Freude, die von innen kommt, wieder einen Weg zu bahnen? Paulus sagt einige Verse später, dass wir den Mist genauso beim Namen nennen und auf Gott werfen sollen, dass er sich kümmert. Aber in all dem dürfen wir den Blick auf die tiefste Echtheit wenden und der Freude Raum geben. Vielleicht auch der Freude inmitten von Tränen.