Hör auf, deinen Körper zu hassen – bring die Gnade in deinen Körper!

Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar! (Psalm 139,13.14; NGÜ)

„Mist! Schon wieder 5 Kilo mehr! Nun beginnt der Kampf gegen die Kilos. Ab heute muss alles anders werden!“ Alltag bei all denen, die nicht mit einem Turbo-Stoffwechsel gesegnet sind und alles in sich hinein stopfen können, ohne ein Gramm zuzulegen.

hatingIch gehöre nicht dazu. Also beginnt er wieder. Der Kampf gegen den Körper. Stop an dieser Stelle. Nichts gegen mehr Sport und durchdachte, hochwertige Ernährung – aber da stimmt doch was nicht… ahja: Wo bleibt da die Gnade? Was wir bekämpfen machen wir stärker. Kämpfen wir gegen unseren Körper, werden wir es nicht schaffen, sondern das Körperfett wird beharrlich auf den Rippen verweilen. Gnade verändert unser Herz – Gnade verändert unseren Körper. Haben übrigens auch schon Ernährungswissenschaftler rausgefunden. Mit dem Körper kooperieren und liebevoll umgehen. Wichtig. Aber nicht einfach.

Wir haben sie immer noch in uns – die unselige Trennung von Körper und Seele. Die edle Seele, die lästige und formbare Hülle des Körpers. Griechische Philosophie, die sich auch in Theologie festgesetzt hat, aber nicht biblisch ist. Natürlich vergeht unser Körper – aber er ist genauso wertvoll wie die Seele. Deswegen bekommen wir einen Neuen und schweben nicht körperlos durchs All, wenn wir gestorben sind. Deswegen bezeichnet Paulus den Körper als Tempel. Ich will lernen, für ihn zu danken. Trotz Waage. Ihn wertzuschätzen und zu pflegen. Mit ihm. Nicht gegen ihn. Denn Gnade und Barmherzigkeit verändern und heilen.

Gemeindeverdruss adé – ich will zum Ruhmeskranz gehören!

Wer ist unsre Hoffnung und Freude oder unser Ruhmeskranz – seid nicht auch ihr es vor unserem Herrn Jesus, wenn er kommt? (1. Thess 2,19)

Paulus: Ein nüchterner Denker mit scharfem Intellekt! Der Römerbrief in seiner göttlichen Komplexität alleine belegt das! Aber auch ein Mann des offenen Herzens. Während in unseren Kirchen oft Nüchternheit regiert (nur nicht in der Predigt von sich erzählen!), macht sich Paulus in seinen Sehnsüchten transparent, wird hier verletzlich und weich. Er vermisst die Christen in Thessaloniki, trägt sie im Herzen, sehnt sich nach ihnen. Versucht zu ihnen zu kommen und erlebt geistlichen Kampf um eben genau diesen Versuch. Ich meine hier auch die Einsamkeit im Dienst des Paulus wahrzunehmen. Diese Gemeinde hat ihm warmherzige Freude bereitet. Sie ist ihm Ruheort geworden. Auf diese Gemeinde ist er stolz – auch vor Christus! So vom Herzen her Wertschätzung ausdrücken lernen – das ist eine herrliche geistliche Aufgabe!

Gemeindeverdruss adé

stühleWenn du nicht zur Kirchengemeinde gehst wegen der Heuchler – dann ist das so, als wenn du nicht zum Fitnesscenter gehst wegen der Übergewichtigen und Untrainierten dort! Der Satz überrumpelte mich mit einiger Wucht und als ich kurze Zeit später in den Spiegel schaute, erblickte ich nicht nur ein wenig Übergewicht (naja, oder etwas mehr), sondern auch den Heuchler in mir. Sie werden ihn auch entdecken! Aber so ist Gemeinde. Trotzdem ist sie Gottes wunderbare Schöpfung, Heilungsraum und Reibungsraum, ein Biotop von kunterbunten Menschen (manche sagen: Narren – auch gut!), ein Lernraum für das Leben. Doch so viele Menschen leben im Verdruss mit ihrer Gemeinde. Die Thessalonicher werden ein Ruhmeskranz sein – warum? Weil sie nicht nur das Wort hören, sondern die Kraft Gottes erleben. Das wünsche ich mir – und Gemeinde immer mehr zu lieben. Ich will zum Ruhmeskranz gehören.

Der Prophet im Vaterland oder: Wie lerne ich, mit Kritik umzugehen?

Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland (Lukas 4,22-30(24))

Wie ein Diamant strahlt Jesus hier in seinem göttlichen Facettenreichtum auf. Er verbindet sich mit der Prophetie des Alten Bundes und macht deutlich: ICH bin es. Der Retter ist da! Doch die Zuhörern zweifeln: Den kennen wir doch? Mich bewegt, wie starsJesus mit dem Angriff umgeht. Er ruht ganz in seiner Identität als Sohn Gottes. Erklärt ihnen aus den Schriften, warum sie so reagieren müssen. Ich gebe zu, wenn mir jemand sagen würde: Du reagierst jetzt so aus dem und dem Grunde, dann würde mich das auch wütend machen! Das ist eigentlich eine Grenzüberschreitung – es sei denn es sagt ein guter Freund. Die Zuhörer aber gehen auf Distanz, schleifen ihn an den Stadtrand, warum geht Jesus nicht früher? Er lässt sich schleifen und erst am Abhang des Todes schreitet er davon. Voller göttlicher Autorität und gleichzeitig Demut. Dieser Balance möchte ich Raum geben: Wissen, wer man in Christus ist – ein Königskind, gleichzeitig sanftmütig und demütig bleiben.

Kritikschule
Ich erinnere mich gut daran, dass ich am Anfang in meinem ersten Beruf und auch später als Pastor mit Kritik zu kämpfen hatte, selbst wenn diese sachlich war. Alles in mir wurde hart, zog sich schmerzhaft zurück. Noch immer ist Kritik ein Lackmustest für meinen seelischen Zustand. Denn wer Kritik schwer ertragen kann, ist zumeist tief verletzt worden. Kritik dringt dann wie ein Pfeil durch die unzulänglichen Grenzen und berührt den eigenen Wert. Kritik mag sachlich sein – wenn ich verwundet bin, hat sie nicht die Botschaft: Du machst etwas falsch, sondern: Du bist falsch! Doch wie kommt man da heraus? Durch Heilung der Wunden – in Gebet, Gesprächen. Durch eine starke Identität in Christus, ein Wissen um die Würde in Gott unabhängig von Leistung. Und durch Barmherzigkeit mit sich selbst. Immer wieder. Auch heute. Langsam wird es besser – an der Hand des Rabbis Jesus.

Sich selbst die Wahrheit sagen! Ein wichtiger Weg der Verwandlung…

HERR, wer darf in deinem Zelt weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? Der rechtschaffen wandelt und Gerechtigkeit übt und Wahrheit redet in seinem Herzen (Psalm 15,1.2; ELB)

Tausend Stimmen sind in uns. Permanent. Die uns anklagen, bewerten, bremsen – aber meistens nicht unbedingt ermutigen. Testfrage: Wie oft am Tag sagst du dir: „Hey, das hast du klasse gemacht, da hast du echt eine tolle Gabe!“ Oder: „Ich bin echt charakterlich gewachsen in den letzten Jahren an der Stelle, wow!“. Eher weniger, nicht wahr? Es erscheint auch erst einmal seltsam, so positiv zu sich zu reden. Doch das Gegenteil geschieht dauernd: „Was habe ich da jetzt wieder verbockt? Ich wieder! Na super! Ich bin echt doof!“. Und wenn nicht mit diesen Worten, dann mit anderen…

truthWas wir verpassen, ist die Wahrheit in unserem Herzen zu sprechen! Diese anklagenden Lügen stimmen ja – wenn überhaupt – nur zum Teil! Mag sein, dass ich gerade etwas nicht geschafft habe. Das ist der Fakt. Aber die Wertung, die daraus folgt ist nicht die befreiende Wahrheit Gottes über mich! Es ist die verdrehte Wahrheit eines verletzten Menschen, der sich selbst negativ wertet, obwohl er unendlich wertvoll in den Augen Gottes ist. Hier sanft, aber klar Einhalt zu gebieten und diese Stimme in ihre Schranken zu verweisen – das ist die Wahrheit sprechen im Herzen. Aber auch: Das Positive endlich aussprechen, wahrnehmen, würdigen!

Das ist letztlich der ruhige, aber stetige Weg der Heilung und Verwandlung: Über sich und andere auszusprechen, was von Gott her wahr ist – nicht was andere sagen oder angelernt ist. Das setzt voraus, dass dieser Gott, der liebende Vater seines Sohnes Jesus Christus, das Denk- und Leb-Zentrum ist. Ansonsten werde andere Stimmen immer wieder das Ruder übernehmen…

Unsere Möglichkeiten an der Hand eines großen Gottes – und die Blockade…

Er (Jesus) wandte sich an Philippus: »Wo können wir Brot kaufen, damit alle diese Leute zu essen bekommen?« Das sagte er, um Philippus auf die Probe zu stellen; er selbst wusste schon, was er tun würde. Philippus antwortete: »Zweihundert Silberstücke wären nicht genug, um so viel zu kaufen, dass jeder auch nur einen Brocken abbekommt.« (Johannes 6,5-7)

Sag mal Jesus – was sollte diese Frage! Dir war doch wohl klar, dass euer Häufchen von Männern und Frauen es nicht packen würde, mal eben 15000 Menschen zu versorgen…?!

handvaterNun – natürlich weiß ich das! Es ging mir um etwas ganz anderes. Meine Nachfolger sollten lernen, eine ganz andere Realität in den Blick zu nehmen, an meiner Hand zu gehen. Menschen kommen ja dauernd an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Ich sprenge diese Grenzen. Nicht, damit ihr Menschen grenzenlos werdet, sondern damit das geschieht, was WIRKLICH wichtig ist.

Ok – das verstehe ich. Sprich: Du wolltest Philippus ganz bewusst an die Grenzen des Machbaren führen und seinen Horizont weiten?

(Mit leisem Kichern) Horizont ist gut! Wenn ihr wüsstet. Es geht ja um eine ganz andere Dimension. Nicht eure begrenzte 3D-Welt – die geistliche Welt ist frei von solchen Beschränkungen. 15000 Menschen versorgen, ohne etwas zu haben, das ist nur in der geistlichen Welt drin! Und meine Männer und Frauen sollten und sollen lernen, dass sie an der Schnittstelle stehen zwischen den Welten und handeln dürfen!

Klappt aber nicht so, hm?

Nein – sie haben es nicht verstanden. Und kurze Zeit später bei der zweiten Speisung schon wieder nicht. Sie haben ein hartes Herz. Das ist die Ursache. Ein hartes Herz rechnet nicht mit der geistlichen Welt, sondern bleibt im Machbaren. Und so ist es auch heute viel zu oft mit meinen Männern und Frauen…

Die Ursache eines geistlich trockenen Lebens…

Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Da gerieten sie vor Entsetzen ganz außer sich. Denn sie waren durch das Wunder mit den Broten nicht zur Einsicht gekommen; sie waren im Innersten verstockt. (Markus 6, 51.52; GN)

Diese Bibelstelle bewegt mich zu Tränen und hält mir den Spiegel vor. Was war vorher geschehen? Die Speisung der 5000 – eigentlich eine Speisung von 15000, da Frauen und Kinder nicht mitgezählt wurden. Ein riesiges Wunder. Unglaublich! Jesus zieht sich zurück in die Stille – der beste Ort, an dem ein geistlich erschöpfter und ausgepumpter Mensch zu neuer Kraft gelangen kann. Die Jünger fahren schon einmal vor auf ihrem Boot… und plötzlich, mitten in der Nacht, kommt Jesus über das Wasser zu ihnen.

faithIch stelle mir vor, was ich reagiert hätte, wenn alles „glatt“ gelaufen wäre. Ich hätte ein echtes Wunder live miterlebt, ja daran mitgewirkt. Und dann geschieht ein weiteres! Ich gerate in anstrengende See, ich komme kaum noch voran in meinem Leben. Alles verschwört sich gegen mich – so mein Empfinden. Das „Rudern“ wird anstrengend. Dann kommt durch ein Wunder Jesus auf mich zu! Ich wäre beglückt! Endlich! Halleluja! Wie toll ist das denn!! Ich würde schier ausrasten – nun wird alles gut!

Nicht so die Jünger: Sie erschrecken zu Tode. Und selbst als Jesus zu ihnen steigt und den Sturm stillt – sind sie voll „Entsetzen“. Das schockiert mich. Wie kann das sein? Und: Kann das auch bei mir sein? Dass ich Wunder nicht sehe, nicht erlebe, IHN nicht erkenne, mich entsetze, anstatt ihn zu feiern? Woran liegt das? Der Text sagt schlicht: Die Jünger waren im Innersten verstockt, sie hatten ein hartes Herz. Jünger Jesu, keine Atheisten! Mutig gefragt: Vielleicht bin ich auch verstockt in Teilbereichen meines Lebens?

(Fortsetzung folgt)

Aus der Würde dienen lernen – und nicht dienen, um Würde zu erlangen…

„Nie und nimmer wäschst du mir die Füße!«, erklärte Petrus. Jesus entgegnete: »Wenn ich sie dir nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft mit mir.“ (Johannes 13,8; NGÜ)

Es war im biblischen Unterricht (ähnlich Konfirmationsunterricht) vor 2 Jahren – da saßen wir Mitarbeiter wie so oft einen Samstag lang mit einem Haufen Teens zusammen und redeten diesmal über das Dienen. Plötzlich ging es um die Fußwaschung und wir holten plötzlich die Schüsseln hervor und Handtücher und baten die Teens, die Schuhe und Socken auszuziehen. Da war der Widerstand groß! Wie schwer war es für die Teens, sich von uns die Füße waschen zu lassen, obwohl diese längst nicht mehr so dreckig vom Straßenstaub waren wie zu Zeiten Jesu! Dienen ist eine Sache – sich dienen lassen eine ganz andere und nicht immer einfacher!

füßeDoch was steckt dahinter? Der Gedanke: Wer dient ist weniger wichtig, weniger würdig, weniger wert vielleicht sogar! Jesus allerdings zeigt eine ganz andere Art dies Dienens uns sprengt diesen Zusammenhang. Er dient nicht, um Würde zu erlangen – sondern weil er sicher in seiner Würde ist, dient er! Er kann sich selbst loslassen und selbst-vergessen sein, weil er sich vorher ganz bei seinem Vater weiß und nicht um seine Würde kämpfen muss. Was ich besitze, kann ich loslassen und wenn es wirklich zu mir gehört, werde ich es trotzdem nicht verlieren. So ist das mit der Würde! Wie oft läuft es anders herum: Dass Dienen so selbstlos wirkt – aber eigentlich hoch egoistisch ist. Ich diene, also bin ich. Werde gebraucht. Das Dienen aber darf mich nicht nähren – wahres Dienen nährt den anderen und läuft dabei nicht leer. Jetzt gilt „nur“ noch: Die eigene Würde entdecken und mehr und mehr anziehen und dabei: fröhlich dienen wie Jesus lernen.