Das Feuerwerk der SÜNDE. Und was bleibt.

Was kam dabei heraus? Ihr schämt euch jetzt, wenn ihr daran denkt; denn was ihr damals getan habt, führt am Ende zum Tod. (Römer 6,21; GN)

Feuerwerk! Peng! Zisch! Bumm! Farbenpracht, Glitzereffekte, Schönheit! Böller und Krach mag ich nicht gerne, das mögen meine empfindlichen Ohren nicht! Aber wie schön sind die Raketen! Herrlich! Doch dann der nächste Tag. Man geht über Straßen, der Duft des Schwarzpulvers noch in der Luft und überall liegen die Leichen der Böller und Raketen, zerfleddertes Papier, Holzstäbe, Plastikhülsen. Durcheinander, an den unmöglichsten Orten, eingeweicht vom Morgennebel und der Kälte der Nacht. Ein trauriges, melancholisches Bild im Kontrast zu der Herrlichkeit des Vorabends.

fireworksMit Sünde verhält es sich genauso. Sie verspricht farbenreiche, glitzernde Erfüllung einer tiefen Sehnsucht auf die falsche Weise. Nicht die Sehnsucht ist das Problem – die Form der Erfüllung. Diese Form ist intensiv, lässt die Gehirnströme, Endorphine und Dopamine Purzelbaum schlagen. Aber am nächsten Tag liegt der Dreck herum. Das Aufräumen dauert oft länger. Manchmal werden Dinge irreparabel zerstört. Das ist das Wesen von Sünde. Von Gier, Stolz, Geiz, Lüge, was auch immer. Ein buntes Feuerwerk. Ein trister Ausgang.

Jeder, der sündigt, weiß das. Jeder sieht die traurigen Überreste, die er oder sie produziert. Es lohnt kaum darauf hinzuweisen. Wer sündigt und nicht komplett verdrängt, weiß darum. Gesetz führt nicht in die Freiheit – aber Gnade. Denn die Sünde ist für Gott kein Problem mehr. Er hat sich darum am Kreuz gekümmert. Deswegen frag nach der Sehnsucht dahinter. Und dann geh zum Vater und bitte ihn, dass er genau diese Sehnsucht füllt. Durch eigenes Eingreifen, durch Menschen, durch Heilung. ER ist unser Sehnsuchtsfüller.

Eilig ins Nirgendwo – das Leben als langer führerloser Zug

Aber nun bleibe ich für immer bei dir, und du hast mich bei meiner rechten Hand gefasst. Du leitest mich nach deinem weisen Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. (Psalm 73,23.24; NGÜ)

Stell dir vor, du sitzt in einem Zug und der beginnt plötzlich rückwärts zu rollen. Immer schneller. Am Anfang wunderst du dich vielleicht, warum der wieder zurück fährst – aber vielleicht wollen sie ja rangieren. Aber der Zug wird schneller, Weichen werden unsanft durchfahren, es rumpelt und quietscht an allen Ecken. Draußen springen Leute aufgeregt umher, Autos machen Vollbremsungen an offenen Schranken. Da läuft doch irgend etwas schief! Du gehst nach vorne, um nach dem rechten zu schauen und stellst fest: Der Führerstand ist leer! Kein Lokführer! Kalte Panik in den Augen. Schreien…

trainPassiert ist das vor wenigen Tagen in Bangladesch. 27 Kilometer und eine halbe Stunde dauerte die Irrfahrt. „Mach doch schon mal den Motor an“ meinte der Lokführer zu seinem Gehilfen – und dann stiegen sie noch mal aus auf den Bahnsteig. Beide sind entlassen worden, zurecht! Eine Horrorgeschichte.

Gleichzeitig eine Symbolgeschichte für ein führerloses Leben. Da ist erst einmal alles richtig: Das Leben fährt – es steht nicht still! Gut. Es ist Bewegung drin! Aber um es geht ganz eilig ins Nirgendwo! Würde man von diesem Leben eine Momentaufnahme machen: Alles sähe vollkommen richtig aus! Doch wie brutal ist die Täuschung! Weil der Führer fehlt. Ich kann das nicht. Ich bin zwar Fachmann für mein Leben – aber nicht für mein Leben in 20 Jahren. Und nicht für mein Leben über die sichtbare Welt hinaus. Dafür brauche ich die Vaterhand an meiner Hand und den Heiligen Geist, der genau in diese Dimensionen führt. Für eine wirklich gute Fahrt!

RIP – Ruhe in Frieden. Hoffentlich…

Trotzdem sind wir voller Zuversicht. Am liebsten würden wir aus unsererm Körper ausziehen und beim Herrn leben. (2.Korinther 5,8; BB)

Kaum stirbt ein Prominenter, geistert inflationär ein Kürzel durch die Zeitungen und vor allem durch die sozialen Medien: RIP. Ruhe in Frieden. Rest in peace. Requiescat in pace – so heißt es auf lateinisch in der katholischen Bestattungsliturgie.

imageAls Wunsch für einen Verstorbenen finde ich das auch vollkommen in Ordnung – aber daraus scheint hier und da ein “Alle, alle kommen in den Himmel und erleben endlich übernatürlichen Frieden!” zu werden. Doch worauf gründet sich eine berechtigte Hoffnung und Gewissheit? Ich habe nun nicht über einen Menschen zu richten – wie gut! Aber wenn alles neblig und schwammig bei diesem wichtigen Thema wird, dann hat die konkrete Hoffnung auch eben keine konkrete Auswirkung mehr in unserem Leben! Dann weicht das konkret von Gott zugesagte dem watteweichen aber diffusen Gefühl, dass ja “dann alles irgendwie besser ist”. Das ist mir zu wenig! Für ein nebulöses Bauchgefühl ist Jesus auch nicht hingerichtet und auferweckt worden.

C.S. Lewis hat das jüdische Denken aufgegriffen und betont, dass der Tod keine qualitative Grenze sei. Wer vorher mit Gott zusammen gelebt hätte, der würde es auch hinterher, weil Gott treu sei. Wer nicht mit Gott zusammen gelebt hätte – der eben nicht. Himmel und Hölle sind eben bereits diesseitige Realitäten. Paulus hat diese gelassene und konkrete Hoffnung, die ihn fröhlich, fast sehnsuchtsvoll in die Zeit nach dem Tod schauen lässt. Aber was ist mit Menschen ohne Jesus, die ihn gar verleugnen, Gott ablehnen? Ich lasse diese Frage offen – aber ich weiß eins: RIP wünsche ich jedem Menschen – zusagen kann ich es aber nur dem, der in Christus lebt und stirbt.

Einen kindlichen “spirit” entwickeln und das Leben neu sehen lernen

Jesus spricht: „Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäus 18,3; NGÜ)

Ich gestehe: Dieser Vers hat mich einerseits immer fasziniert und andererseits auch traumatisiert! Traumatisiert hat mich aber nicht Jesus, sondern die schiefe Auslegung dieses Verses. Eine Auslegung, die Kinder schon fast in den Status von unschuldigen Heiligen katapultiert, die uns allen zeigen sollen, wie es richtig geht. Als Mann stößt mich diese Auslegung oft auch deswegen ab, weil damit Eigenschaften verbunden zu sein scheinen wie: weich, sanft, nett, lieb, verspielt, spontan, unüberlegt. Sicher wertvolle Bestandteile eines reifen Lebens – aber doch wohl nicht alles, Jesus? Und: Da ich selbst zwei Kinder habe, weiß ich: So sind die einfach nicht!!

childSollte Jesus, dieser im besten Sinne wilde Mann (und den brauchen auch wilde Frauen als Vorbild!), diesen Vers wirklich (nur) so gemeint haben? Ich denke nein. Es geht ihm eben nicht um ein kindisches Verhalten, das keine Verantwortung übernimmt. Es geht ihm aber sehr wohl um kindliches Vertrauen und – um einen kindlich frischen Blick auf diese Welt. Um einen kindlichen Geist in der Perspektive auf das Leben.

Ich glaube, wir können von Kindern etwas sehr Mutiges lernen, etwas, das sie selbst irgendwann mehr und mehr zu verlieren scheinen: Jeden Tag neu anzugehen. Einen frischen Blick auf die Dinge zu bekommen. Neu einzusteigen. Ein Freund geht auf Distanz? Traurig – aber vielleicht auch sinnvoll und befreiend. Nicht befördert worden? Schade – aber auch eine Chance, einen anderen Weg zu gehen, den ich noch nicht kenne. Treffen mit einem schwierigen Menschen? Gott hilf mir, ihn einmal ganz neu zu sehen. Mit kindlichem „spirit“! Für diese Perspektive: Danke Jesus!

Überraschende Geldgier – verpasste Zufriedenheit.

Lasst nicht die Geldgier euer Leben bestimmen. Gebt euch zufrieden mit dem, was ihr habt. Denn Gott selbst hat versprochen: »Ich werde dich nie vergessen und dich niemals im Stich lassen.« (Hebräer 13,5, NGÜ)

Geldgier? Ich? Niemals! Und doch. Ich spüre einen Stich in mir, wenn sich andere etwas mit Leichtigkeit leisten können, das vermutlich in meinem Leben nach menschlichem Ermessen nie eine Rolle spielen wird. Eine Reise in die Karibik. Ein Oldtimer. Die Objekte der Begierde sind austauschbar nach persönlichem Interesse. Ich spüre diesen Stich. Es berührt mein Gerechtigkeitsempfinden. Ich arbeite doch auch viel. Und die da? Womit haben die mehr verdient? Ja – die Gier nach dem „Mehr“ spielt auch in meinem Leben eine Rolle. Gier ist kein Privileg der Reichen, sondern genauso der enttäuschten „Nichtganzso“-Reichen.

gänsebSie vernebelt gleichzeitig die Zufriedenheit. Wenn ich diesen Nebel hinter mir lasse, spüre ich, was ich in unseren Urlauben schon alles entdeckt und genossen habe! Wie herrlich war das denn?! Schiele ich dagegen auf die Karibik des Nächsten, wird diese Erinnerung mit einem grauen Mehltau überdeckt. Wenn ich das Ersehnen des „Mehr“ hinter mir lasse, dann freue ich mich über meine Vespa – ein Jugendtraum. Es wird vermutlich nie ein Oldtimer sein, aber eben diese Vespa!

Und dann spüre ich mit einem Male die revolutionäre Kraft dieses Verses. Wie frei wäre ich, wenn ich zu-Frieden sein könnte? Wenn alle Menschen zufrieden wären, wirklich durch und durch zufrieden, dann bräche unsere Marktwirtschaft zusammen! Aber vielleicht will Gott diese Zufriedenheit zumindest von seinen Kindern? Dass sie alles auf IHN setzen und nicht auf irgendetwas anderes? Das würde uns verändern. Frei machen. Und unser Umfeld letztlich faszinieren

Niederlage im Kampf gegen Sünde oder längst aufgegeben? Dann: Strategiewechsel!

Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben (Titus 2,11.12; NeÜ)

depressedWillkommen Lieblingssünde! Mal wieder. Gefallen. Plumps. Scham macht sich breit. Traurigkeit. Kraft wird abgesogen und Lebensfreude weicht mit einem tiefen Seufzer. Warum bin ich nicht weiter? Warum so ein Versager? Sollte ich als Christ… nicht siegreicher, weiter sein? Also aufstehen und mehr anstrengen. Ausgeklügelte Pläne entwerfen, wie ich diese Sünde doch loswerden kann. Diese dumme Gewohnheit, die so viel Freude raubt und dennoch so gewohnt und vertraut ist.

Kennen Sie dieses Szenario? Eine erschöpfende Sinuskurve zwischen Freude, vorsichtiger Zuversicht und tiefer Niedergeschlagenheit und Kapitulation. Keine wirkliche, dauerhafte Freude, sondern nach jedem Aufatmen der tiefe Fall. Jedes Mal scheint es tiefer zu gehen. Oder aber man gewöhnt sich an die Sünde und redet sie sich schön, integriert sie ins Leben. Das aber ist wie ein Ignorieren von wucherndem Krebs. Er belastet vielleicht erst einmal nicht mehr in dem Maße wie vorher – aber er ist immer noch da und wütet weiter. Durchwuchert alles und frisst Leben!

Der Anfang jeder Freiheit von Sünde ist aber nicht meine Anstrengung. Es ist Gnade. Immer wieder Gnade. Sie erzieht uns, die falschen Begierden zu verleugnen. Nicht unsere Leistung. Nicht unser guter Wille! Noch einmal: NICHT unser guter Wille! Nichts Menschliches hilft. Punkt. So ist das. Das einzusehen, geht an den Stolz. Der Ausgangspunkt ist und bleibt ein Leben lang: Gnade. Keine Patentrezepte. Fang an bei der Gnade und bleibe bei ihr.

Kintsugi – oder wie unsere Risse im Leben vergoldet werden…

Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt. (2. Korinther 4,7)

Kintsugi. Muss man nicht kennen. Hilft aber. Fasziniert. Kintsugi ist eine japanische Reparaturtechnik für Keramik. Eine Teeschale zerbricht. Was macht man damit? Schließlich hängt vielleicht persönliche Geschichte daran? Ein Künstler, der sich viel Mühe gegeben hat? Eine solche Schale hat nach langem Gebrauch „Seele“ bekommen. Kintsugi repariert das Keramikobjekt, indem es die Scherben zusammenklebt mit Urushi-Lack bzw. Knetmasse für fehlende Teile. In diesen Lack bzw. in die Knetmasse wird Goldpulver gemischt – so dass die Risse in der Schale nachher nicht mehr stören, sondern Teil vom Ganzen werden, sogar betont und „wichtig“ werden.

kintsugiIch finde das einen sehr achtsamen und geradezu rebellischen Umgang mit Konsumgütern. Nicht wegwerfen, neu kaufen, sondern gerade den Zerbruch nutzen und zum Thema machen. Hinterher sieht eine solche Schale schöner aus als vorher, hat an Charakter gewonnen.

Ich stoße an meine Risse. Und an das Bild vom starken, makellosen, leistungsfähigen Menschen in unserer Leistungsgesellschaft. Ich spüre meine Risse jeden Tag. Wenn ich vor einem Konfliktgespräch Magenschmerzen bekomme – anstatt cool und überlegen zu sein. Ich verurteile mich für die Magenschmerzen. Gott sagt: „Nein! Hör auf damit. Sie haben ihre Gründe und du heilst nicht durch Ablehnung, sondern indem ich diese Risse adele und nutze für meine Stärke, für göttliches Gold“

Steh zu dir. Lass IHN stark sein in dir. Es ist in Ordnung. Und du wirst wie nebenbei erleben, dass du dich veränderst und schöner wirst.