Des Teufels subtile Strategie: geistliche Quengelware

Jeder, der Kinder hat oder sie im Supermarkt beobachtet, kennt sie: Quengelware im Kassenbereich. Kleine Spielzeuge, Schokoriegel, Ü-Eier… und los geht die fröhliche Familiendynamik. Klein sind diese Bereiche des Supermarktes, gerade mal 1% der Fläche machen sie aus, ein paar Quadratmeter um alle Kassen herum. Aber sie bringen satte 5% (!) der Einnahmen eines Supermarktes. Lohnt sich. Auf das Quengeln zu setzen. Kurz: es werden Produkte mit den klassischen Suchtverstärkern produziert (Zucker, Vanillin, Aromen, Glutamate), um die Kids zu binden. Dann noch richtig platziert, da wo die Langeweile zuschlägt – also in der Warteschlange – und los geht’s. Ein schöner, sich selbst verstärkender Kreislauf.

Und im geistlichen Leben? Die Quengelei ist eine der besten Strategien des Teufels, um unsere eigene Freude in Christus zu torpedieren und gleichzeitig unsere Gemeinden um sich selbst drehen zu lassen. Quengelnde Menschen haben ihren Bauch als Gott (Phil 3,18). Eine gefährliche Haltung, die seelisch fragt: wo werden meine Wünsche hier nicht erfüllt? Von Gott, von der Gemeinde, von meinen Mitmenschen? Zutiefst egozentrisch und damit gottlos. Christen können dauernd vor sich hin quengeln und damit sich selbst und andere nerven und sogar zerstören.

Was sind die Ursachen? Die Parallelen zum Supermarkt sind unübersehbar. Es sind (1) unreife Kinder im Glauben und manchmal sind diese Kinder schon in der zweiten Lebenshälfte (nicht umsonst steht in Supermärkten auch Quengelware für Erwachsene an der Kasse: DVDs, Zigaretten…). (2) Langeweile. Wer von Gott gefordert wird und in den Strom der Reich-Gottes-Baus eingebunden ist, der wird froh sein, wenn er einmal glücklich „Boah, das war anstrengend!“ stöhnen kann. Für Quengelei keine Zeit. (3) Unhinterfragbarkeit. So mancher genervte Mensch wird einem Quengler Hinweise geben – der wird aber fröhlich weiter machen, denn er will ja seinen Gott nicht aufgeben. Und wenn ein solcher Mensch erst einmal geistlich Amok läuft (Pendant zu: sich strampelnd im Kassenbereich auf den Boden wirft), dann hilft auch kein Gespräch mehr – nur noch Distanzierung. Auch in der Gemeinde. (4) Ein falsches Dienstverständnis. Ich bin mit meinen geistlichen Gaben nicht dazu da, dass mir gedient wird, sondern dass ich dem Leib diene. Eine gute Therapie! Jesus selbst hat sie vorgelebt und es uns wörtlich als Hausaufgabe mit gegeben. Nun kann man selbst den Dienst an anderen strategisch missbrauchen, aber es ist ein guter Anfang, dienen zu lernen und einfach mal: die Fresse zu halten.

Die Quengler sind überall und wir dürfen sie nicht gewähren lassen (weder im eigenen Leben noch in der Gemeinde), denn sie folgen einem anderen Gott – auch wenn sie die Quengelei fromm anpinseln. Und wenn du merkst, dass du auch dazu neigst: diene Menschen, bleibe bei Gott und beziehe Freude bei ihm, verleugne dich selbst und halt einfach mal die Fresse.

(Geschrieben in der Mitte eines quengeligen Tages, an dem ich mich selbst gerade mal annerve.)

P.S. spannende Frage zum Weiterdenken: haben wir denn auch Quengelware, die Quengler sogar noch fördert?

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21 Antworten zu “Des Teufels subtile Strategie: geistliche Quengelware

  1. Ein ganz hervorragender Denkanstoß… den möchte ich gerne für eine nächste Predigt/Andacht „klauen“..

  2. Was ist geistliche Quengelware und wer hat da die Deutungshoheit?
    Und – Frage stellen oder besser „einfach mal die Fresse halten“?

  3. @martharia: klar kann man die Frage stellen – ist doch kein Quengeln. Mir hilft es einfach, wenn ich mal vor mich hin quengele, einfach mal den Mund zu halten und bei mir zu bleiben. Negative Worte haben viel Macht…
    Was ist Quengelware: vor allem die eigene Vorstellung, wie alles sein sollte. Danach kann man prächtig quengeln. Ist ja auch das Zentrum des Egoismus. Quengelware kann aber auch der neuste fromme Trend sein, den man unbedingt haben muss… wer entscheidet? Gottes Wort. Alles, was echte Frucht bringt, langfristig Wert hat, das Reich Gottes und nicht nur mein Reich voran bringt, danach lohnt sich auszustrecken. Bin froh über Ergänzungen!

  4. Anmerkung: „einfach mal die Fresse halten“ – ist ein Zitat von Dieter Nuhr. Der ganze Satz bei ihm lautete: „Ich glaube, das ist damals [nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland] falsch verstanden worden mit der Demokratie: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. ’s wär ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht. Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“ – nur so als Randbemerkung. Zurück zum Thema…;-)

  5. Quengelware? Da fällt mir eine ganze Menge ein: Bestimmte Musikstile; bestimmte Gemeindemodelle, bestimmte Super-Prediger, Ansprüche an die Gemeinde halt. Übertragen ins Supermarkt-Bild: Das auf den Boden stampfende Kind, das laut schreit: „Haben wollen!“. Blanker Egoismus im (mehr oder weniger) geistlichen Gewand. Konsumentenmentalität. Der Tod jedes geistlichen Wachstums beim Betroffenen…

  6. Habe dennoch lachen müssen, gute Bilder! (Bin dankbar, daß meine Kinder beim Einkaufen so pflegeleicht waren) Geistliche Quengelware, darüber denke ich nach. Erwartungshaltung auf Null schrauben und die Fresse halten, das sage ich mir selber auch. Gemeinde soll ja gemeinsam am Reich Gottes mit arbeiten, ist keine Kuscheloase.

  7. @apassionata: ach, ich denke, man darf schon biblische Erwartungen an eine Gemeinde habe – man sollte nur langen Atem, Barmherzigkeit und vor allem konstruktive (!) Kritik üben, statt sich quengelnd wie ein unreifes Kind bei jedem und allen zu beschweren. Insofern: ich habe Erwartungen….;-)

  8. @wegbegleiter. Danke. Ja, es wäre optimal wenn eine Gemeinde wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Orchester funktionieren würde. Jeder seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt ist.
    Aber das klappt nicht und wir müssen auch gar nicht immer so perfekt sein meine ich. Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Schwachen. Und die Schwachen haben auch Platz in der christlichen Gemeinde. Wer zu sehr außer sich oder zu erschöpft ist, sollte vielleicht besser zu Hause bleiben, auftanken und zu sich selbst zurückfinden.
    Das Zitat von Dieter Nuhr ist mir bekannt :-))
    Ich stimme zu, dass Meinungen Ergebnis von Nachdenken, Zuhören sein sollten und man sich selbst hinterfragt, kritisiert und reflektiert. Das hat Dieter Nuhr gemeint nehme ich an und ich stimme ihm unbedingt zu.
    Konstruktive Kritik bringt auf jeden Fall mehr als nörgelnde, dauernde Forderungen aufzustellen, so ist mir jetzt auch klar geworden, was mit geistlicher Quengelware gemeint ist. 🙂

  9. 😀 wer über Quengler quengelt, ist schon infiziert 😉

    Frage: warum kann Quengeln bei einem landen?

  10. @hilkman: habe ich in der neuen Familienzeitschrift „Nido“ gelesen – wird vom Stern herausgegeben und produziert wird. Ziemlich auf den ersten Seiten – aber der Stern sollte vernünftig recherchiert haben…;-)

  11. @martharia: 100% Zustimmung – nur sind die Quengler meist gar nicht die Schwachen – sondern Machtmenschen. Die wirklich Schwachen gehen viel zu leicht unter…

  12. So eine ähnliche Frage hatten wir doch schon mal.:-)
    Da ging es um Götzen. Alles kann zu Götzen werden.
    Kleine Kinder Quengeln oft über Sachen die an sich notwendig sind.
    Ich quengle öfter über Sachen, die wirklich schrecklich sind (neutral betrachtet :-)) Wenn die Bockwurst nicht wirklich heiß Ist .Z.B.

    Das Problem ist der Quengler,
    Es gibt nur eine Lösung. Naaaaaaaaa, Ihr ahnt es schon,

    Die Hinrichtung!!!!!!!!!!!!
    Tod am Kreuz.
    Quengelwahre beseitigen hilft nicht wirklich.
    Die Quengeleien zeigen uns manchmal, daß wir noch nicht ergriffen haben was Jesus am Kreuz getan hat.
    Die Lösung des Problems ist Gott zu vertrauen daß wenn einer gestorben ist, daß wir alle gestorben sind. 2 Kor.5,14
    Halleluja, der Quengler ist gekreuzigt.
    Die Theorie ist klar, an der Umsetzung arbeite ich!!!! 😉

    [2Petr 1,3] Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch eigene Herrlichkeit und Tugend, [2Petr 1,4] durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben, das durch die Begierde in der Welt ist, entflohen seid: [2Petr 1,5] eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und ……………

  13. Das Quengeln hat doch nichts mit dem Teufel zu tun!
    Klar würde ein Christ alles Schlechte mit den Teufel in Verbindung bringen, denn diese sind ja nach der Bibel böse.

    Quengeln ist einfach nur eine psychologische Wirkung. Vielleicht irgendwie Aufmerksamkeit zu erlangen. Meist hat soetwas seine Ursachen in der Kindhiet, wo die Mutter dem Kind zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat und das Kind stärker „quengeln“ musste um Aufmerksamkeit der Mutter zu bekommen. Dieses Kind ist dann Erwachsen geworden und hat seine Erkenntnisse in die Erwachsenwelt mit übernommen, ohne vielleicht zu wissen das er oder sie nervig sein kann.

    Klar es gibt auch nervige Christen, die wollen das mehr Leute Jesus lieben und zu Gott beten. Genauso kann es auch nervige Vertreter geben, die einfach herumquengeln.

    Es ist einfach die Natur des Menschen. Zwar könnte ein Christ der vor einer Quengelwarentheke steht oder selbst quengelt, sich sagen: „Das hat was mit den Teufel zu tun und ich komme jetzt lieber zur Besinnung.“
    Er symbolisiert einfach nur sein Gefühl mit den Teufel. Ein nicht gläubiger Mensch hätte jetzt vielleicht soetwas gesagt wie: „Mit Quengeln nerve ich nur andere Menschen, oder die Quengelware macht nur dick oder ist nur Abzocke.“

  14. @Thomas: mmhm, ich glaube Ihr Gott heisst: Psychologie? Damit gehen wir von verschiedenen Axiomen aus – das kommt nur schlecht zusammen. Sie glauben dem Behaviorismus und natürlich ist alles nur geprägt und aus der Kindheit erklärbar. Das glaube ich nicht und immer weniger Psychologen glauben das. Immer mehr bitten um Zusammenarbeit mit Seelsorgern, weil sie das Ergänzungsbedürfnis ihrer Erkenntnisse begreifen. Die nichtsdestotrotz sehr wertvoll sind! Für Christen – sorry – gibt es nun mal keinen wertfreien Raum, in dem weder Gott noch das Antigöttliche (sei es durch den Teufel oder durch das Böse im Menschen selbst) am Werk sind… meiner Meinung nach hat man dem Bösen in der Welt noch nicht genügend in die Augen geschaut, wenn man von einem reinen Behaviorismus ausgeht und der Mensch nicht auch als solcher mit (zumindest!) bösen Anteilen versehen betrachtet wird. Ich glaube nicht, dass man im Angesicht eines Genozids in Ruanda oder wo auch immer noch friedlich sagen kann: arme Menschen, die haben ja aller nur eine schlechte Erziehung gehabt und die böse Gesellschaft… und daher ist für mich auch massiver Zorn Gottes vollkommen nachvollziehbar!

  15. Wenn es hieß Psychologe vs. Seelsorger, würden sicher beide gleichermaßen mit Vorteilen und Nachteilen abschneiden. Natürlich wäre ein Seelsorger viel besser für Christen als ein Psychologe. Dieser kennt ja meist eher die religiösen Hintergründe. Aber manchmal ist es auch gut einen Psychologen zu besuchen, dessen Wissen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien beruhen, die durch Tests und Versuche bestätigt sind.

    Mittlerweile gibt es sogar auch Psychologen die sich im Bereich Religion sehr gut auskennen. Z.B. ein Bekannter von mir ist ein Doktor in Psychologie und Psychiatrie und hat ein Kruzifix im „Patientenraum“ hängen. Ebenso ist er sehr christlich, glaubt an Gott und geht regelmäßig in die Kirche. Dazu finden seine Patienten auch viel christliches Infomaterial im Wartezimmer.

    Es gibt ja auch leider Leute, die eine körperliche und geistige Krankheit z.B. mit einer Dämonenbesessenheit vorziehen.
    Das hat zwar weniger mit den Seelsorgern in herkömmlichen Sinn zu tun, aber es ist leider eine Ansicht religiösen Ursprungs.

    Den Behaviorismus allein als Grundlage für die Entwicklung des Menschen zu nehmen halte ich für Falsch. Psychologie ist ein großes Fach. Selbst würde ich sogar behaupten das durch durch psychologische Aspekte auch die Religion gebildet hat. Z.B. die Gefühle wie Gottesliebe zu einen Wesen was rein materiell nicht sichtlich exestiert, ein interessanter Punkt für Psychoanalytiker wäre.

    Meiner Meinung nach sind Genozids oder Völkermorde nicht im personifizierten Bösen zu suchen, sondern wirklich in der Psychologie des Menschen. Wenn man sich viele Völkermorde und Kriege anschaut findet man oft sogar eine religiöse Motivation. Auch aus diesen Grund wäre es wirklich falsch Menschen in Schubladen wie Gut und Böse zu stecken.

    Aber würde ich jetzt als Atheist versuchen zu erklären warum Religion und damit die reine Abstempelung von Menschen zu Gut(evtl. Himmel) und Böse(Teufel, Hölle) nur ein Konstrukt unseres Verstandes wäre, könnte ich ganze Seiten lang schreiben und Leute wie fast ganze Bücherinhalte von Richard Dawkins, Karlheinz Descher.
    Das würde aber über das Thema hinausgehen.

  16. Ok, gegessen. Aber Deschner und ausgerechnet Dawkins anzuführen – die sind nun wirklich selbst unter nichtchristlichen Wissenschaftlern als einseitig und voreingenommen berüchtigt. Dawkins ist schlicht billig, unglaublich zynisch und leicht auszuhebeln. Denn er geht genauso von Glaubenssätzen aus wie Christen – nur lauten sie anders. Aber damit haben sich andere auseinandergesetzt – mir fehlt die Lust und die Zeit.

  17. Au wei, die Quengelware… als Pastor bin ich mit dem Quengeln regelmäßig konfrontiert:
    Die Predigt zu lang.Der Gottesdienst muß kürzer werden. Die Lieder sind zu alt.Die Kirche bietet mir gar nicht die Gemeinschaft, die ich suche; die finde ich bei den Nachbarn.Ich hab so weiten Weg.und so fort…
    Dann steh ich da und sage, „ja, ich versteh das – aber das ist doch gar nicht das Wichtige. Das Wichtige ist, Gott zu begegnen.“
    Aber im Lesen des Blogartikels frage ich mich, ob ich in manchen Dingen nicht einfach nur am längeren Hebel sitze und meine Vorstellungen durchsetze, die auch nur Vorletztes betreffen… Demut ist gefragt.

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